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~ Schönheit, Liebe, Selbstkritik und der Blick durch die Augen anderer ~

~ Schönheit, Liebe, Selbstkritik und der Blick durch die Augen anderer ~

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Gestern sah ich ein Video auf Telegram. Ich kannte es schon, aber es ist immer wieder wirklich berührend. Es geht um Schönheit, Liebe, Selbstkritik und der Blick durch die Augen anderer Menschen.

Das Video: Zwei fremde Frauen werden sich mit dem Rücken zueinander gestellt. Sie drehen sich um und dann dürfen sie sagen, was ihnen an der anderen Frau gefällt. Was finden sie an der anderen Frau schön? Wie reagiert die Frau auf das Kompliment? Und dann halten sie sich den Spiegel entgegen und einige Frauen brechen in Tränen aus, weil ihnen wohl bewusst wird wie sie über sich denken und über sich sprechen.

Vor fast einer Woche kaufte ich mir einen Strauß lila Tulpen. Normalerweise kaufe ich keine Schnittblumen, aber diese lila Tulpen riefen mich und so nahm ich sie mit nach Hause. Seitdem erfreue ich mich an ihrer Schönheit. Am Wochenende dann sah ich, dass die eine Blüte mit einem Blatt verwachsen war und ein Blatt war im Inneren mit einem weiteren Blatt versehen. Die beiden Tulpen waren anders, aber keineswegs weniger schön. Und so muss ich gerade weinen, wenn ich daran denke wie schlecht wir Frauen – ja, leider sind es meist Frauen die sehr schlecht über sich denken – zu uns sind. Sind diese beiden Tulpen wirklich hässlich, abartig oder widerlich, nur weil sie anders sind? Würdest du das über eine Pflanze oder ein Tier sagen? Würdest du es zu anderen Menschen sagen? Nein? Warum tust du es dir dann selber an? Warum bist du so grausam zu dir? Warum verletzt du dich mit voller Absicht, anstatt dich zu lieben, mit jeder Falte, jedem Pickel und jeder Speckrolle? Hast du wirklich diese Abscheu verdient? Bist du dir so wenig wert? Wieso? Du fühlst dich doch mit den schrecklichen Worten, die du zu und über dich sagst, gar nicht wohl, warum hörst du nicht damit auf? Warum putzt du dich so runter und machst dich klein? Weil es mal andere gesagt haben? Ja? Was sagt das wohl über die anderen aus, wenn sie so über dich sprechen? Wieviel Selbstwert, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen steckt dann in diesen Menschen? Willst du ernsthaft, dass dein Leben so weitergeht? Willst du dich weiter hässlich oder gar abartig finden? Oder ist es nicht langsam an der Zeit raus auf der Opferrolle und dem Selbstmitleid zu treten und zu sagen „Hey, ich bin nicht perfekt. Ich habe keinen Körper und kein Gesicht wie eine Barbie, aber hey ich bin eine verdammt geile Frau, die ein großartiges Wesen ist, die im Leben so einiges gemeistert hat und es wartet noch richtig viel auf mich. Und für all das brauche ich keine Plaste im Kopf oder im Körper, sondern mein Köpfchen. Ich muss nicht alles an mir lieben, aber ich bin gut so wie ich bin! Und was mir nicht gefällt, kann ich ändern.“ ??? Ich sage nicht, dass du dich mit einem Model vergleichen sollt. Das sollte niemand. Und wenn dann nur in der Hinsicht, dass uns bewusst ist, dass sie auch nur mit Wasser kochen und Menschen sind. Sie gehen ebenso aufs Klo wie jeder andere von uns und mit Retusche kannst du dir auch nen Barbiekopf zaubern. Ich wünsche mir, dass wir Frauen endlich aufwachen und verstehen, dass wir vollkommen ok sind, so wie wir sind. Da muss keine Spachtelmasse drauf und wenn doch, dann nur deswegen, weil es uns Spaß macht und wir Lust darauf haben bestimmte Bereiche unseres Gesichts hervorzuheben. Es geht nicht darum jede Zelle des Körpers zu lieben, es geht vielmehr darum endlich aufzuhören sich runterzuputzen und sich dann zu wundern, warum man keine Komplimente erhält oder unglücklich ist. Kein Mensch, der zu sich sagt „Ich bin fett.“ „Ich bin hässlich.“ „Ich bin abartig.“ „Ich bin widerlich.“ „Ich bin abscheulich.“ „Ich bin unansehnlich.“ etc. kann wirklich glücklich sein. Diese ganzen Worte rauben doch jede positive Kraft und nehmen so viel Raum ein, dass da gar nicht viel Platz für schöne Gedanken ist. Wie willst du in deine Kraft kommen, wenn du so über dich denkst? Und willst du wirklich so ein Vorbild sein? Überleg einmal, was du den Generationen nach dir mitgibst. Welch eine Last und Bürde.

Ich finde es ist an der Zeit aufzuwachen und sich in den Arsch zu treten. Schau dich im Spiegel an. Hast du Falten? Eine Speckrolle? Zwei? Drei? Narben? Dellen und Flecken am Körper? Ja? Super. Dein Körper lebt. Dieser Körper ist ein Geschenk, denn du Seele lebst darin. Ohne diesen Körper könntest du jetzt nicht diese Worte lesen. Ohne diesen Körper könntest du dich nicht im Spiegel betrachten. Ohne diesen Körper wärst du nicht auf dieser Erde. Und jetzt sagt mir, dass es auf dieser Welt nichts gibt, was schön ist. Und dass es nichts auf dieser Welt gibt wofür es sich lohnt ein glückliches Leben zu führen. Du musst nicht an dir alles lieben oder gar schön finden. Hör einfach nur auf dich scheiße zu finden und dir grausame Worte zu sagen. Hör auf damit. Such dir nur einen Teil deines Körpers raus, den du magst und wenn es nur deine Augen, dein Ellenbogen oder deine Schulter ist. Mir egal. Von mir aus finde deinen kleinen Zeh schön. Egal was … finde etwas was du schön an dir findest und hör nicht auf zu suchen, bis du etwas gefunden hast! Hör nicht auf dich jeden Tag dafür zu entscheiden glücklich zu sein und ein glückliches Leben führen zu wollen. Jeden Tag auf ein Neues. Und jeden Tag auf ein Neues such etwas, was du an dir magst. Jeden Tag. Ich will nicht aufhören zu sagen, dass es zu 1000% etwas an dir gibt, was schön ist. Ich weiß es. Und wenn du es nicht findest, dann schick mir ein Foto und ich werde dir sagen, was an dir schön ist. Glaub mir, ich werde etwas finden, denn du bist schön.

PUNKT

Ok, ich atme mal eben durch.

Weißt du, ich war richtig grausam zu mir. Ich kenne all die schrecklichen Worte die man zu sich selber sagen kann. Ich weiß genau wie man sich kleinhält und ich weiß genau wie man es hinbekommt sich minderwertig zu fühlen. Aber ich habe irgendwann angefangen. Ich habe jeden Tag in den Spiegel gesehen, mich angesehen und mir gesagt „Ich liebe mich.“. Am Anfang habe ich nichts gefühlt. Es waren nur leere Worthülsen. Irgendwann dann begann ich bei den Worten zu weinen. Und heute begrüße ich mich mit „Hey Süße, na wie geht’s dir?“ und muss dabei lächeln. Ich habe Speckrollen, Dellen, Narben, Pickel, Flecken etc. Ich hab Haare an Stellen wo ich sie nicht gern habe und meine Haut ist voll Dehnungsstreifen. Ja, das ist kein Modelkörper, aber es ist MEIN Körper und dieser Körper lässt mich hier auf dieser Erde sein und durch ihn darf ich Menschen und Tieren helfen. Wie soll ich diesen Körper also hassen, wenn er mir doch dieses Leben schenkt? Ich hab aufgegeben mich zu hassen und hässlich zu finden. Es macht einfach keinen Spaß und verdirbt mir nur die Laune und das Leben. Bis ich dahin gekommen bin, war es nicht einfach, aber ich bin stolz auf mich, dass ich den Weg gegangen bin, dass ich den Arsch hochbekommen habe und gesagt habe „Es reicht! So spreche ich nicht mehr mit mir!“. Und seitdem lasse ich auch nicht mehr zu, dass andere so mit mir sprechen. Ich selber habe mit mir so zu sprechen und mich so zu behandeln, wie ich will, dass andere es tun und das was ich anderen nicht antue, dass muss ich mir selber auch nicht antun.

Also, frag dich ob du wirklich es verdient hast dich selber zu beschimpfen und schlecht über dich zu denken oder ob es nicht langsam an der Zeit ist damit aufzuhören und dem Körper zu danken, der dir das Sein ermöglicht.

Herzensgrüße, deine Kerstin