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~ das Tabu der Regelblutung (kein Beitrag nur für Frauen) ~

~ das Tabu der Regelblutung (kein Beitrag nur für Frauen) ~

20210616 164930

Vor Jahren habe ich mit meinem Blog angefangen, weil ich zeigen wollte, dass nicht immer alles nur Schön ist und dass jeder Mensch seine Höhen und Tiefen hat. Ich wollte gern diese Illusion durchbrechen der wir oft erliegen, dass es anderen besser geht als einem selbst. Ich wollte Tabus brechen. Und ich wollte zeigen, dass nur weil man einen spirituellen Weg geht, nicht zwingend DAS Licht ist oder geheilt oder erleuchtet. Ein jeder ist und bleibt ein Mensch und wir alle fahren die Achterbahn des Lebens. Wir alle erleben jeden Tag Abenteuer und müssen Hürden meistern. Am Ziel sind wir erst, wenn die Achterbahn steht und wir gestorben sind. Vorher fahren wir weiter und werden zeitweise ganz schön durchgerüttelt.

Heute möchte ich aber über etwas schreiben, was viele Frauen kennen – Unterleibsschmerzen. Mir geht es heute so. Ich habe starke Unterleibsschmerzen und Migräne. Meine ganz normale Achterbahnfahrt einmal im Monat.

Vor einigen Jahren durfte ich bei einem ganz berührenden Ritual dabei sein – die Ehrung der blutenden Frau. (Link zu einem älteren Blogbeitrag) Die Regelblutung wird tabuisiert. Es ist etwas Ekliges und man spricht nicht darüber. Ganz viele Frauen hassen diese Zeit sogar. Dieses Ritual war für mich ganz besonders. Wir Frauen standen im Kreis mit den Rücken zueinander, andere Frauen und Männer trommelten und sangen. Wir sangen zuerst auch mit und dann kamen einzelne Frauen und Männer auf uns zu, sie knieten nieder, sie legten ehrend ihre Hände auf unseren Unterleib, manche lehnten ihre Stirn dagegen. Viele legten sich uns zu Füßen, was für mich mit die größte Ehrung ist. Es flossen viele Tränen, nicht nur bei uns Frauen die geehrt wurden. Ich weiß nicht ob ich beschreiben kann, welch Gefühl es ist, wenn man sein Leben lang die Blutung hasst, sich schlecht damit fühlt und ungute Gefühle damit verbindet und plötzlich kniet eine andere Frau oder ein Mann vor einem und dankt dir, deinem Blut und deinem Körper für diesen Dienst. Mich berührt es noch immer sehr und mein Bild, mein Gefühl zu meiner Menstruation hat sich vollkommen verändert. Heute ehre ich jeden einzelnen Tag.

Ich erinnere mich noch gut, dass das Ritual ursprünglich nur für jeden Frauen gedacht war, die aktuell bluteten, aber auch Frauen die gerade keine Menstruation hatten oder gar keine mehr, fühlten sich gerufen und so wurden fast alle anwesenden Frauen geehrt. Ihr könnt euch kaum vorstellen, welch Energie das war, die diesen Raum erfüllte. Wie die Frauen vor und nach der Ehrung wirkten. So viel Leid und Schmerz, Drama und Trauma wurde mit diesem Ritual geheilt.

Dieses Blut, welches so tabuisiert wird, ist heilig. Es reinigt uns. Es ist Blut, welches ohne zugefügte Wunde fließt. Denkt nur einmal darüber nach mit wie viel Blut Mutter Erde Tag für Tag getränkt wird, welches durch Gewalt und Mord fließt. Menstruationsblut fließt, weil es unseren Körper reinigt, weil es uns zeigt, dass wir in der Lage sind Leben zu schenken. Und wir verachten es?

Als ich heute die Unterleibsschmerzen spürte, schloss ich die Augen, ich atmete tief ein und aus, und ich schickte den Atmen und all meine Aufmerksamkeit und Liebe in den krampfenden Bereich. Ich dankte meinem Körper und dem Blut für sein Sein. Ich verbeugte mich gedanklich vor mir selber. Ich ehrte mein Blut, meinen Körper und mich. Ich verband mich mit meinen weiblichen Ahnen und meinen vergangenen weiblichen Leben. Ich sah all die Demütigungen, die Verbrennungen, die Misshandlungen und die Scham. Und ich ehrte jede einzelne Frau und ihr Blut. Mir liefen dabei die Tränen, denn so viele Frauen haben schreckliche Erfahrungen machen müssen und so viele Frauen hasten ihr Menstruationsblut.

Ich wünsche mir sehr, dass wir alle erkennen, dass es nichts Ekliges ist zu bluten, sondern ein heiliger Dienst. Wenn wir Frauen einmal nicht mehr bluten, dann zeigen sich Hitzewallungen und emotionale Schwankungen. Warum? Weil unser Körper durch den Schweiß versucht uns zu reinigen und weil dies schwieriger ist, entsteht das emotionale Ungleichgewicht.

Nachdem ich mein Blut, meinen Körper und meine Ahninnen geehrt hatte wurden die Unterleibsschmerzen weniger und die Migräne verschwand. Noch immer send ich all meine Liebe, in die Wunden der Vergangenheit, von mir, meinen Ahninnen und meinen vergangenen weiblichen Leben. Es braucht viel Zeit, Liebe und Achtsamkeit bis diese Wunden gänzlich heilen.

Herzensgrüße, eure Kerstin