~ das Alter oder wenn Körper und Geist nicht mehr zusammenpassen (TK) ~

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Mit Erlaubnis von Hund und Mensch, darf ich euch etwas erzählen. Mein tierischer Gesprächspartner (G.) hat mich darum gebeten seinen Namen nicht zu nennen.

Kürzlich durfte ich wieder mit dem Hundeopi meiner besten Freundin sprechen. G. ist ein Charakter. Als Mensch würde man ihn als Opa beschreiben, der meckernd mit erhobenem Krückstock herumläuft. Andere Hunde und Menschen sind nicht unbedingt seins bzw. müssen sie einfach passen.

Tieren geht es was das Altern angeht oft ähnlich wie den Menschen. Der Geist sagt „Lass uns einen Marathon laufen.“ und der Körper sagt „2km reichen auch.“. Körper und Geist sind unterschiedlich alt. Wir erinnern uns an die langen Wanderungen oder Spaziergänge oder an das Durchschlafen. Im Alter muss man dann öfter auch mal in der Nacht auf die Toilette, 30km läuft man nicht mal eben mehr bei einer Wanderung und die Knochen tun schneller und länger weh, nach jedem Kilometer zu viel. Die Erinnerung an die Zeit ist noch sehr klar und präsent, aber der Körper kann da einfach nicht mehr mithalten. Und so geht es auch unseren Tieren. G. erinnert sich an die Zeit wo er noch die 8h Schlaf seiner Menschen ohne Probleme geschafft hat, aber heute drückt die Blase schneller und der Darm zwickt. Was dann? Zugeben, dass man muss und den Menschen wecken? Ein bisschen Stolz und Ego haben wir schließlich alle. Also wird sich dann, weil es einfach nicht mehr anders geht, eine Stelle gesucht. Nicht schlimm, wenn es nicht so teurer Bodenbelag wäre und man nur zur Miete wohnen würde. Aber Möglichkeiten gibt es viele, z.B. Wickelunterlagen oder eine Toilette. Für G. war dies aber so als würde man ihm eine Windel umbinden und noch älter machen als er ist. Ein schreckliches Gefühl und der Gedanke daran graute ihm. Auch das Wecken wollte er nicht, denn schließlich ging es immer ohne.

Ich kann ihn nur zu gut verstehen und seine Menschen auch. Nur ist es leider so, dass manchmal einfach Lösungen her müssen. Wir sprachen also miteinander und nach langer Zeit der Wiederrede und Gegenworte verstand er, dass er nicht weniger geliebt wird, wenn er die Wickelunterlage oder die Toilette nutzt oder seine Menschen weckt. Es ist nicht schlimm. Er darf das.

Es braucht Zeit bis wir manchmal akzeptieren, dass unser Körper nicht mehr so kann wie früher. So geht es auch älteren Menschen. Der Geist altert nicht so schnell. Und wenn er dann altert, dann ist es wieder schwer dies anzunehmen. Und auch dies gibt es bei Tieren – Demenz. Egal wo das Problem liegt, in einem Gespräch kann man über alles reden und alles offenlegen. Gemeinsam kann man Lösungen finden, auch wenn sie nicht immer die Schönsten sind. Aber mit Liebe, Geduld und Mut schafft man alles.

G. nutzt nun die Wickelunterlagen und weckt ab und zu seine Menschen. Und dafür wird er gefeiert und geliebt.