~ Gespräch mit Anton (TK für das Tierheim Butzbach) ~

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(Foto: pixabay)

Gerade habe ich wohl das schrecklichste Gespräch geführt, was man sich vorstellen kann. Anton ist ein roter Kater. Ein Streuner, in einer Gartenanlage in Butzbach. Ich helfe dem Tierheim Butzbach im Moment dabei einige Katzen dort zu fangen. Ich spreche mit ihnen, erkläre ihnen was passiert, wohin sie kommen und wenn sie dann gefangen wurden, versuche ich sie zu beruhigen – entweder mit Gesprächen oder mit Energie. Es wurden mittlerweile 9 Katzen gefangen, 4 Erwachsene und 5 Kitten, aus 2 Würfen. Aber das Gespräch mit Anton hat mir gerade das Herz zerrissen.

Anton fühlt sich für mich sehr alt an und sehr krank (vielleicht auch deswegen alt). Man sieht auf dem Bild, dass seine Ohren missgebildet sind oder einmal stark verletzt wurden. Er hat Augen, die tief in die Seele blicken und seine Geschichte ist „nur“ eine von vielen … er ist damit nicht der Einzige.

Er hat große Angst und sucht seine Freundin Sophia. Sie ist Mama und wurde mit ihren Kitten bereits eingefangen und ist nun im Tierheim Butzbach untergebracht und wird dort versorgt, bis sie alle ganz gesund sind. Er sucht sie, denn mit ihr ist er durch die Gartenanlage gegangen und mit ihr ging er zum Futterplatz, und nun ist sie weg. Er macht sich große Sorgen um sie. Ich habe ihm erklärt was passiert ist, wo Sophia mit ihren Babys ist und was passiert. Wenn sie später wieder in die Freiheit will, dann wird sie es auch dürfen, aber erst nach der Kastration. Anton vertraut den Menschen nicht. Er nennt uns sogar „Abschaum“ und „das Letzte“. Und ich kann ihn verstehen. Er hatte einmal ein schönes Zuhause, bei einer Frau. Er liebte sie und sie liebte ihn. Er saß auf ihrem Arm, wenn sie im Sessel saß. Sie kuschelten. Irgendwann wurde er aber aus dem Haus gejagt, ihm wurden Sachen hinter geworfen und gesagt „er solle sich zum Teufel scheren und sich nie wieder blicken lassen“. Auch heute noch hört er diese Worte. Die Menschen lehnen ihn ab und verjagen ihn sobald sie ihn sehen. Ja, er ist krank – er hat Würmer, Milben, Flöhe, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen. Seine körperlichen Schmerzen sind schrecklich, aber seine seelischen Schmerzen unendlich groß.

Ich bin ein emotionaler Mensch und deswegen führe ich auch viele Gespräche mit verstorbenen Tieren, aber dieses Gespräch hat mich unglaublich traurig gemacht. Ich weine noch immer, so wie ich schon im Gespräch geweint habe.

Ich habe Anton mich fühlen lassen. Ich habe ihm gezeigt wie traurig mich seine Geschichte macht und wie wichtig es mir ist, dass er sich helfen lässt. Ob er die Hilfe annehmen wird, weiß ich nicht. Ich wollte ihm zeigen, dass ich ihm keine Märchen erzähle und dass ich es ernst meine. Was nun passiert weiß nur er. Ich hoffe sehr, er wird in eine Box gehen und somit die Hilfe annehmen und so weit gesunden wie nur irgendwie möglich, bevor er dann wieder in die Freiheit entlassen wird.

Tiere sind nur einen Teil unseres Lebens bei uns, aber sie verbringen ihr ganzes Leben bei uns. Es ist Urlaubszeit und gerade jetzt sind die Tierheime überfüllt und die Menschen gelangen an ihre Grenzen. Vielleicht kauft ihr einfach einen Kaffee oder ein Eis weniger und dafür eine Dose Katzen- oder Hundefutter und bringt es in euer Tierheim oder spendet es. (Geldspenden können auch von der Steuer abgesetzt werden.) Ich bitte euch … entscheidet euch bewusst für ein Tier und denkt daran, welche Konsequenzen daraus entstehen. Es ist nicht euer Leben, sondern ihr Leben. Entscheidet euch bewusst ihr Leben in euer Leben aufzunehmen. Lasst nicht zu, dass es noch mehr Anton-Geschichten gibt.

Herzensgrüße, eure Kerstin