~ Selbstfürsorge ~

Erst kürzlich schrieb ich über die „beschissenen Tage“, die wir alle mal haben. Irgendwie ist das wirklich ein Thema was mich bewegt. Einfach, weil wir es nicht zeigen und oft auch nicht zulassen. Die Fassaden und Masken und das „funktionieren müssen“.

Ich muss dabei an meine ganzen Therapien denken, an die Arztgespräche und Gespräche mit Freunden und auch in der Familie. Wenn es einem schlecht geht, dann „soll“ man sich rausholen und ja nicht darin verweilen. Wir haben irgendwie den Drang in uns zu helfen, so dass es möglichst schnell dem anderen besser geht und dabei merken wir gar nicht unter welchen Druck wir unseren Gegenüber setzen. „Einfach“ nur mal da sein, das fällt uns so unglaublich schwer. Zuzusehen wie schlecht es jemanden geht und dies auszuhalten und den Menschen zu halten bedarf für mich mehr Kraft und Liebe als ihn herauszuziehen.

beschützen Logo kleinerDen Menschen die zu mir kommen, sage ich immer wieder, dass es ihnen durchaus auch mal wieder schlechter gehen kann und dass es dann ganz wichtig ist gut zu sich selbst zu sein. Ich bitte sie dann sich vorzustellen, wie sie sich um ein kleines Kind kümmern würden – einen Kakao, ein Eis, ein schöner Film oder ein Hörbuch, vielleicht auch ein Spaziergang oder laut Musik hören. Alles ist dann erlaubt. An guten Tagen kann man sich z.B. eine CD oder einen Ordner erstellen, in dem all die Gute-Laune-Musik ist, bei der man nicht mehr stillsitzen kann. Mal so richtig gut zu sich sein, das ist dann die Aufgabe.

Als ich, vor vielen Jahren, das Wort „Selbstfürsorge“ gesagt bekommen habe, wusste ich damit gar nichts anzufangen. Was soll das sein? Ich wusste nicht wie das geht. Ich habe es gelernt. Wenn ich merke es geht mir nicht gut oder ich bekomme bestimmte Dinge nicht hin, dann lasse ich es erst einmal so sein, wie es gerade ist. Mich zu zwingen irgendetwas zu tun, hilft mir nicht und hilft auch niemand anderen. Wir leben eh schon mit viel zu viel Druck um uns und in uns. Es ist doch viel hilfreicher, wenn wir es in einer Stunde erneut versuchen oder eben am nächsten Tag. Und vor allem (da bin ich früher wirklich Profi gewesen) „sollten“ wir uns dabei nicht verteufeln. Nur weil mal was nicht so klappt oder uns mal nicht gut geht, wird unser Leben nicht zu Ende sein und die Welt wird auch nicht untergehen. Wie heißt es so schön „Mut ist nicht immer ein lautes Gebrüll. Manchmal ist es auch eine leise Stimme am Ende des Tages, die sagt: ‚Morgen versuche ich es wieder.‘“ und kommt es nicht genau darauf an? Kommt es nicht darauf an, dass wir es immer wieder versuchen?

Aktuell geht es einigen Menschen nicht so gut und ich wünsche allen ganz viel Kraft und Mut und vor allem Halt in sich selbst. Seid bitte liebevoll zu euch und achtsam. Wer weiß schon warum es euch gerade so geht. Wer weiß, was sich gerade vielleicht zeigt oder auflöst. Seid gut zu euch und tut euch selber gut. Und wenn ihr in den Spiegel schaut, dann fragt mal den Menschen den ihr da seht (ruhig laut aussprechen) „Hey Süße(r) 😉 Na, was kann ich dir Gutes tun?“ … also ich muss dann immer kurz lächeln.

Fühlt euch umarmt und gehalten.

Herzensgrüße, eure Kerstin