~ Wie lange bleiben wir im Alten? ~

Wie lange bleiben wir im Alten?

Wie lange bleiben wir in diesen alten Mustern?

Wie groß muss die Angst vor all dem Neuen sein, um in diesem Leid und Schmerz zu verharren?

Wann stellen wir uns der Chance?

Welche Regeln und Gesetze haben wir uns selber auferlegt? Einmal und nie wieder? Immer wieder? Noch mehr? Aushalten? Dranbleiben? Perfektion? Aufopferung? Gleichgültigkeit? Verlustangst? …

Es ist doch eigentlich unglaublich, was wir alles für Worte, Regeln, Muster und Verhaltensweisen in uns haben. Wie sehr wir uns an dem Alten festhalten, egal ob es uns gut tut oder nicht. Nehmen wir unsere Ängste – und davon hat jeder einige … wo bleiben wir in einer Rolle, obwohl sie uns nicht gut tut? Wo bleiben wir in unseren Ängsten obwohl da draußen das Leben lacht und wir nur ab und zu mutig drauf losgehen müssten? Ich nehme mich da nicht aus … ich bin ein Schisser, ein Angsthase … und doch habe ich schon so einige Ängste bewältigt, nur habe ich noch immer genug andere. Warum ist es nur so schwer sich seinen Ängsten zu stellen und etwas Neues zu wagen?

Bitte, bitte, schreibt keine Antworten, denn jeder darf für sich die Antworten entdecken und seine Wege und Lösungen. Jeder für sich, auf seine eigene Art und Weise.

Leben rückwärts gelesen heißt Nebel und es ist schon sehr passend finde ich. Keiner weiß was kommt. Und vielleicht ist das ein Grund im Alten zu bleiben … weil es uns bekannt ist. Ich hänge auch oft im Alten fest. Es ist nicht bequem, es ist nur bekannt. Für alte Probleme kennt man die Lösungen, etwas zu ändern bringt Ungewissheit.

Es ist nun gleich 22Uhr und eigentlich war der PC schon längst aus, aber meine Gedanken wollen geschrieben werden. Ich sitze an meinem Schreibtisch und sehe ein Foto von mir aus diesem Jahr, bemalt, beim HAKA-Workshop. 20181019_222947 bearb Logo kleinerAngsteinflößend? Mutig? Vielleicht auch für den einen oder anderen lächerlich. Ich würde mich nicht trauen so in der Öffentlichkeit herumzulaufen. Warum? Die Blicke sind es, die anderen Menschen, sie machen mir Angst. Dabei male ich mir immer wieder „mein“ Zeichen auf die Stirn, klein und fein, aber schwarz und sichtbar … und auch hierfür ernte ich Blicke, schräge Blicke, verwirrte Blicke usw. … nur nicht zu sehr aus der Rolle in dieser Gesellschaft fallen … dabei fall ich doch schon ganz schön raus, als Tierkommunikatorin und Schamanin, hochsensibel und empathisch.

Wisst ihr was meine größten Ängste sind? Gesehen zu werden und in meine ganze Kraft zu kommen. Das klingt jetzt vielleicht seltsam, denn ich schreibe hier über meine ganz privaten Sachen und das ganz öffentlich. Ich habe diese Homepage und Facebook-Seiten und eine Facebook-Gruppe, ich zeige mich also und bin nicht unsichtbar und doch habe ich Angst davor gesehen zu werden. Wenn ich einen Raum betrete, dann sehen mich die Menschen an. Ich erlebe es immer wieder, dass ich im Raum mit vielen Menschen bin und der Redner oder wer auch immer, sehr oft mit seinem Blick bei mir verweilt. Das ist mir unangenehm. Ich gehe zum Meditieren und bereits nach dem ersten Besuch wusste die eine Frau meinen Namen. Sie hatte mich beobachtet und mich für meine Sitzhaltung bewundert und meinte ich hätte etwas, was sie sich wünscht, auch wenn sie nicht weiß was es ist. Ich bleibe den Menschen im Gedächtnis obwohl ich meiner Meinung nach gar nichts besonderes tu oder bin. Ja, ein großes Thema bei mir ist „ich bin nichts Besonderes“ … … … da ist es das Thema „in meine ganze Kraft kommen“, wogegen ich mich so sehr wehre. Warum? Weil ich keine Ahnung habe was das bedeutet und ich habe noch viel weniger Ahnung davon, was mir dann blüht. Was kommt dann auf mich zu? Wie werden mir die Menschen begegnen? Wie verändert sich mein Leben? Da ist so viel Ungewissheit. Und bei all meinen Ängsten gebe ich aber nicht auf und gehe weiter auf meinem Weg, weil ich weiß, dass all diese Ängste mir sehr lange Zeit sehr nützlich waren. Nach und nach, ganz sanft und liebevoll, dürfen sie nun gehen. Ich darf sie mir ansehen und betrachten, untersuchen und an und in ihnen forschen, so lang bis ich an den Ursprung komme und sie verabschieden kann. Wer weiß woher sie wirklich kommen, wer weiß wo ihr Ursprung liegt. Drüber hinweg zu gehen funktioniert nicht und wäre nur ein Schauspiel, eine Fassade … und ich habe sehr lang geschauspielert und eine traumhafte Rolle gespielt. Nun bin ich gespannt darauf wie es sich anfühlen wird, wenn ich denn mal in meiner ganzen Kraft angekommen bin … wer weiß wann das sein wird, aber ich freu mich darauf mittlerweile. Ich freu mich auch darauf, wenn ich irgendwann einen Raum betrete und es mir nicht mehr unangenehm ist gesehen zu werden. Und ich freu mich darauf, wenn ich irgendwann Komplimente annehmen kann ohne vor Verlegenheit gleich in dem Erdboden versinken zu wollen. Ich freu mich darauf, nur ist es bis dahin noch ein Weg den ich zu gehen habe.

Ich möchte allen Mut machen. Traut euch an eure Ängste heran. Traut euch hinzusehen und hinzufühlen. Es ist nicht immer schön und es kann Leid und Schmerz hervorbringen, nur ist das Ziel so viel schöner und größer als all das Leid und der Schmerz zusammen … und Leichtigkeit winkt. Ihr könnt keine Veränderung erzwingen, denn das geht über die Kräfte, aber wenn sich etwas zeigt, dann schaut hin, seid achtsam, liebevoll und gütig zu euch.

Ich wünsche uns allen ganz viel Mut und Kraft und noch viel mehr Liebe, Leichtigkeit und Freude für unseren Weg und unsere Leben.

Alles Liebe, eure Kerstin

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