~ Glück ~

Es ist nun einige Wochen her, da fragte ich auf meinen FB Seiten ob die Menschen, die das lasen, glücklich sind. Einige schrieben „ja“, worüber ich mich sehr freute. Es gab auch ein paar „manchmal“ oder „öfter/meist“. Und es gab auch einige „neins“. Ich kann keine Prozentaussage treffen und möchte gar nicht auszählen wie viele „ja“, „neins“ und „manchmals“ es gab. Das ist vollkommen unwichtig hierfür.

Ich schrieb die „neins“ an und fragte nach ihren Gründen, wenn sie sie mir verraten würden. Krankheit (persönlich oder nahe Menschen/Tiere), falscher Job, unglücklich verliebt oder unglücklich mit dem Partner, Geldsorgen oder Verlust (auf verschiedene Möglichkeiten) von Menschen oder Tieren, waren die meisten Antworten. Und jeden Punkt davon kann ich nur zu gut verstehen und nachfühlen. Ja, jeder Punkt für sich kann unglücklich machen.

Es gibt so ganz besondere oder eigenartige Momente im Leben. Die sind oft ganz klein. Und so ein Moment war vor einiger Zeit. Ich war einkaufen und hatte den Rucksack und einen Beutel voll Getränke und Lebensmittel. Es ist nicht weit bis zu mir, aber auf diesem Weg … dieses eine Mal … ich war so glücklich. Ich konnte jeden dieser Schritte allein gehen, selbstständig, auf meinen eigenen Beinen. Ich konnte selbstständig und frei atmen. Die Sonne schien. Ein Wind ging. Ich konnte atmen. Ich spürte meine Einkäufe, 20180810_201602 bearb Logo kleinerd.h. ich war in der Lage mich zu ernähren. Ich hatte meine eigene Wohnung. Ich konnte die Vögel zwitschern hören und die Blumen riechen. Welch ein Glück. So scheinbar ganz banal und selbstverständlich. Aber das ist es nicht. Es ist ein Geschenk und ich bin dafür so dankbar.

Ganz oft erwische ich mich dabei, wie ich meiner Lucy und meinem Romero beim Schlafen zusehe. Dann kehrt in mir so eine Ruhe ein. Wie eine Atempause. Die Welt dreht sich dann für ein paar Sekunden lang nicht weiter.

Ohne Frage habe ich auch Gründe unglücklich zu sein. Ich habe mir immer Kinder gewünscht, hatte aber leider nie das Glück einen Partner an meiner Seite zu haben, der dies wollte bzw. verstand, dass eine Beziehung auch immer mit etwas Arbeit verbunden ist. Ich würde gern noch viel mehr Menschen und Tieren helfen, einfach weil ich es so sehr liebe und es meine Aufgabe auf dieser Welt ist. Mein Traum von einem Vierseitenhof ging bisher auch noch nicht in Erfüllung. Ich liebe seit sehr vielen Jahren einen Mann mit dem ich nicht zusammen sein kann und auch nicht Zusammensein werde. Und ich bin Single. Da gibt es noch viele Gründe für mich unglücklich zu sein, aber ich finde jeden Tag mindestens einen Grund glücklich zu sein… und wenn es nur die Hummel ist, die sich meine Blümchen anschaut. Ich weiß was ich habe, ich liebe mich selber und ich weiß mittlerweile das ich mir selber genug bin. Ich darf weinen. Ich darf verzweifeln. Ich darf auch mal den Kopf in den Sand stecken. Aber ich werde auch immer einen Grund finden um zu lächeln. Es klingt seltsam, aber heute weiß ich, egal wie verzweifelt und traurig ich bin, in mir gibt es einen Punkt der glücklich ist. Dieser Punkt existiert immer und das vergesse ich nicht. Manchmal muss ich mich daran erinnern, aber dann spür ich ihn auch sofort. Ich bin dann nicht augenblicklich glücklich, sondern ruhiger und sicherer. Dieser Punkt gibt mir Sicherheit. Ich wünsche jeden diesen Punkt.

Es gibt ein Zitat von Franz Werfel „Der sicherste Reichtum ist die Armut an Bedürfnissen.“ und wenn ich ehrlich bin, dann habe ich zwar Wünsche, Träume und Hoffnungen, aber auch ohne sie bin ich glücklich und somit bin ich, für mich, arm an Bedürfnissen. Ich kann ohne sehr vieles leben und ich bin so dankbar für alles was ich habe. Diese Dankbarkeit führte mich auch zum Glück. Sehen was ist und was ich habe … … … Ja, den Fokus neu legen, den Blick schärfen und neu ausrichten, das hilft so ungemein. Und das ist so schwer. Es ist so schwer seinen Blick vom Fehlenden zum Habenden zu wenden. Das ist sehr viel Arbeit und kostet viel Kraft, Energie und Aufmerksamkeit, aber es lohnt sich so sehr.

(Mir fällt mal wieder auf wie oft ich das Wort „aber“ verwende. Ich habe da wirklich so meine Probleme dieses weniger zu nutzen. Bitte verzeiht.)

Ich habe kürzlich einen Bericht gelesen. Grob zusammengefasst ging es darum, dass wenn man sich nur auf das Schöne und Glückliche fokussiert man sich in die „Tasche lügt“, weil man das Negative verdrängt und nicht sehen will. Ich fand das eine interessante Sichtweise, nur dachte ich mir „Wir werden so erzogen immer uns zu vergleichen und den Blick auf das Schlechte und Schwere zu legen, dass wir da auch kein Gleichgewicht haben. Ist das besser? Ist es also nicht erst einmal eine Lernphase das Positive und Glückliche zu sehen und wahrzunehmen, um dann danach überhaupt erst die Chance zu haben ein Gleichgewicht herstellen zu können?“. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur für mich ist es ein schönerer Weg mein Leben mit den glücklichen Augen zu sehen und wenn es nur das kleine Gänseblümchen ist oder der Spatz der mir zu zwitschert.

Ich habe deswegen nicht vergessen, dass es hungernde Menschen gibt, dass es Kriege gibt und wie wir miteinander umgehen. Vergessen habe ich es nicht, auch nicht verdrängt, aber ich schaue mich im Hier und Jetzt um. Ich kann Menschen und Tieren hier und jetzt helfen und was kann ich mehr tun? Ich muss bei mir und meinem Umfeld anfangen und darauf bauen, dass diese Menschen das ihre tun, um ihrem Umfeld zu helfen … es ist wie ein Feld voller Dominosteine und ich hoffe einfach, dass es eine schöne Reaktion gibt und wir gemeinsam ein wundervolles Bild kreieren. Step by step, stone by stone …

Ich wünsche euch eine glückliche Zeit.

Eure Kerstin