~ Beständigkeit ~

Baumexperiment 1 kleinerIch habe so einen Wunsch in mir nach Beständigkeit. Menschen die nicht nur für eine gewisse Zeit mein Leben teilen und den Weg mit mir gehen, sondern dauerhaft, ja vielleicht für immer. Und doch gibt es diese Beständigkeit nicht. Wir verändern uns alle und alle in einem anderen Tempo und zu anderen Zeiten. Jeder lernt auf dem Weg des Lebens zu einem anderen Zeitpunkt die Lektionen und daher … ja, vielleicht deswegen trennen sich dann Wege. Bei manchen Menschen tut es sehr weh und bei anderen ist man irgendwann froh. Rückblickend weiß man oft, dass es richtig und die Zeit gekommen war. Man ist vielleicht dankbar für die gemeinsame Zeit, für die verbrachten Stunden, für die Lektionen, schönen Worte und Verletzungen. Und doch wünsche ich mir Beständigkeit. Aber vielleicht ist genau das die Beständigkeit die ich suche, diese beständige Veränderung, dieses gemeinsam ein Stück gehen und sich dann trennen. Das hat doch auch etwas Beständiges.

Ich weiß nicht, wer in mir sich nach der nahen menschlichen Beständigkeit sehnt, aber daran werde ich forschen bzw. wird sich der Teil irgendwann zeigen. Vielleicht mein inneres Kind? Vielleicht auch ein verletzter Seelenanteil? Vielleicht auch ein Ahne? Ich weiß es noch nicht, ich weiß nur, dass ich den Wunsch nach Beständigkeit in mir trage. Und dafür kann ich mir auch einiges schön Malen. Ich kann mir das Leben alter Paare schön Malen. Da kann ich mich Illusionen hingeben. Da muss ich an meine Tante und meinen Onkel denken – sie sind nicht wirklich meine Tante und mein Onkel, aber für mich sind sie es. Letztes Jahr starb mein Onkel und die beiden waren um die 70 Jahre zusammen. Kaum vorstellbar für mich und doch ist es ein innerer Wunsch von mir. Ein Traum. Eine Vorstellung. Eine Vision. Eine Illusion. Mein ganz persönlicher Kleinmädchentraum. Ok, 70 Jahre werde ich nicht mehr mit jemandem zusammen sein können, aber diese Beiden haben nie aufgegeben, egal was bei ihnen im Leben passierte. Aber sie haben sich vermutlich auch miteinander entwickelt und gleichzeitig allein, aber eben doch soweit zusammen, dass der Weg gemeinsam blieb. Ich frage mich gerade ob wir uns heutzutage nur getrennt entwickeln. Ich mein, Generationen unterscheiden sich ja schon immer und sind immer wieder anders. Dadurch verändert sich ja auch die Welt, aber … was bleibt auf der Strecke? Bleibt überhaupt etwas auf der Strecke? Kann überhaupt etwas auf der Strecke bleiben? Können wir etwas verlieren? Oder ist alles Entwicklung? Ist die Entwicklung das einzig beständige? Spannend. Nun muss ich mal wieder raus aus dem Kreis im Kopf, sonst gibt es einen Drehwurm.

Eigentlich gibt es doch viel Beständigkeit in unserem Leben. Tag und Nacht. Ebbe und Flut. Sonne und Mond. Vollmond und Neumond. 60 Sekunden sind 1 Minute, 60 Minuten sind 1 Stunde. 24 Stunden sind 1 Tag. Wasser, Luft, Feuer und Erde. Es ist jetzt kurz nach 8 Uhr und meine Lucy schreit, weil sie jetzt Futter will und wie immer diskutieren wir … das ist auch sehr beständig Tag für Tag, Abend für Abend. Es gibt also Beständigkeit und das ist auch wirklich gut, nur eben diese menschliche Beständigkeit, Menschen die länger als nur ein paar Tage, Wochen, Monate oder Jahre an meiner Seite sind, fehlen mir etwas.

Ach, diese lieben Illusionen. Sie können einem das Leben wirklich auch erschweren. Wir richten den Blick zu oft auf das was uns fehlt, wonach wir uns sehnen und wünschen, und zu selten auf das was wir haben. Vielleicht ist es das gerade. Vielleicht ist mein Blick gerade abgeschweift und mein Herz nicht bei mir und dem was ich habe. Spannend. Ich mag es mich bei soetwas zu ertappen. Und da fällt mir gleich wieder ein Beitrag ein, den ich bereits vor einigen Wochen anfing zu schreiben und den ich euch noch immer nicht habe lesen lassen. Ja, manche meiner Texte sind einige Tage oder gar Wochen auf meinem PC bevor sie euch erreichen.

Nun gut. Für heute reicht es … vielleicht … mal sehen … der Tag ist noch lang.

Einen zauberhaften Samstag wünsche ich euch.

Eure Kerstin