~ übergriffig ~

Es ist gar nicht so einfach dieses Thema zu dem Punkt zu bringen wo ich gern hinmöchte.

Wenn wir das Wort „übergriffig“ oder „Übergriff“ hören/lesen, denken wir als erstes an sexuelle, gewalttätige oder verbale Übergriffe. Diese Themen an sich sind schon sehr komplex und bedürften mehrerer Artikel und doch möchte ich auf etwas ganz anderes hinaus.

Ich bin auf einem spirituellen Weg und hierbei begegnen mir immer wieder feinfühlige und empathische Menschen. Jeder von ihnen ist anders und hat andere Qualitäten und Arbeitsweisen. Ich mag es, dass wir obwohl wir uns ähneln doch so verschieden sind. Dennoch erlebe ich hier immer wieder Übergriffe, die mich innehalten lassen. Warum? Wie meine ich das? Ich sehe es als meine Pflicht an die Privatsphäre und das Innerste eines jeden Menschen zu respektieren, d.h. ich kann fragen wie sich mein Gegenüber fühlt, aber ich habe nicht das Recht dazu mich in ihn hinein zu fühlen. Da stimmen mir sicher einige zu und doch erlebe ich es immer wieder. Es ist klar, dass wir keine Arbeit (schamanisch, energetisch oder so) ohne Auftrag und Erlaubnis machen und dennoch komme ich immer wieder mit Menschen zusammen, die ohne zu fragen nachfühlen wie es mir oder anderen geht. Ich bin selber hochsensibel und wenn ich einkaufen gehe und mehrere Menschen wütend sind, dann kann es mir durchaus passieren, dass ich auch wütend werde, aber dann fühle ich nicht nach wer von den 20 Menschen wütend ist, sondern schau, dass ich mich noch besser schütze und abgrenze. Allerdings passiert es immer wieder, dass wir einander umarmen und dann fühlt eine Partei rein, wie es dem anderen geht. Ich persönlich finde es übergriffig, denn jeder hat das Recht darauf zu entscheiden, ob der Gegenüber erfährt wie es einem wirklich geht. Sicherlich gibt es jetzt ein paar Menschen die sagen „Aber das passiert einfach so.“ und da kann ich nur sagen „Das glaube ich nicht.“. Entweder weiß der Mensch dann nicht, wie man sich abgrenzt oder sieht es für sich als selbstverständlich an, sich mit seinen Mitmenschen zu verbinden und macht dies ganz automatisch, weil er es gut meint. Beides ist für mich fatal und ein Punkt wo man hinschauen darf. Das Gut-meinen ist noch ein ganz anderes Thema, denn wir wissen ja gut-meinen ist nicht gleich gut-tun.

Das Verbinden und Fühlen seiner Mitmenschen ohne Erlaubnis ist das eine, aber was ist mit Arbeiten und Arbeitstechniken, die übergriffig sind? Ein kleines Beispiel. Wenn ich 20180509_205239 bearb Logo kleinermeinen Klienten beibringe schamanisch zu reisen, dann erzähle ich ihnen im Vorfeld, wie ich es handhabe und was ich sehe und wahrnehme, ABER ich sage ihnen auch, dass das nicht ihr Weg sein muss und sie, auch wenn ich sie danach so anleiten werde, sie ihren Weg gehen sollen und unbedingt gehen müssen. Es gibt auch Arbeitstechniken, die in einem bestimmten Wortlaut gemacht werden sollten, weil sie sich einfach bewährt haben, ABER wenn man sich damit unwohl fühlt oder das Gefühl hat man macht damit einen Fehler für sich, dann ist es die Pflicht eines jeden seine Worte und seinen Weg zu finden. Kürzlich erlebte ich eine Vorführung und danach wurden alle gebeten die Worte nachzusprechen. Ich bekam ein sehr ungutes Gefühl, denn die Worte stimmten gar nicht für mich, aber ich sah wie sehr viele Menschen die Worte sprachen und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob es sich für sie alle stimmig anfühlte oder ob sie „einfach“ nachsprachen. Wir können auf dem spirituellen Weg sehr schnell in „Fallen“ tappen, weil wir noch lernen und denken „Der Lehrer weiß was er tut.“. Ja, die meisten Lehrer wissen was sie tun und doch muss nicht alles für einen selber stimmig sein und das ist meiner Meinung nach mit das Wichtigste was ein Lehrer vermitteln kann – „Fühl in dich rein, tu nichts einfach nur so und geh deinen eigenen Weg, finde heraus wie es für dich richtig ist.“. Aber auch das ist wohl eher selten, denn ich möchte beinah behaupten, dass niemand egofrei ist.

Und dann gibt es noch eine Form der Übergriffe, die mich zeitweise sehr spaltet. Wir leben in einer Welt, in der es Menschen und Menschengruppen gibt, die sehr viel Schlechtes tun und die Welt und die Menschen in Gefahr bringen. Menschengruppen die so klein sind und doch über sehr viel mehr Menschen bestimmen. Was ist damit? Wie ist es, wenn wir Arbeiten mit und für diesen Menschen(-gruppen) machen, um der Menschheit und Welt zu helfen? Die Arbeit würden wir aus einem guten Gefühl heraus machen und nur zum Besten aller und doch würden wir übergriffig werden, denn niemand der Menschen(-gruppe) hat uns ihre Erlaubnis gegeben. Dürfen wir der Menschheit und Welt helfen und eine Arbeit machen, die etwas Positives bewirkt oder machen wir uns damit nicht „strafbar“?

Niemand, weder die, die einfach in jemanden reinfühlen, noch die die uns etwas vorgeben oder die, die für die Menschheit und Welt arbeiten meinen es Böse oder wollen etwas Schlechtes, aber meiner Meinung nach sind sie übergriffig. Sie sind so übergriffig, wie wenn ich durch eine Menschenmenge gehe und einfach wild die Menschen mit Parfüm besprühe – das klingt harmlos und unbedeutend, aber es ist übergriffig und im schlimmsten Fall, bei einer Allergie, sogar gefährlich.

Ich wünsche mir daher mehr Achtsamkeit und mehr Selbstverantwortung. Möge ein jeder besser in sich hineinfühlen und herausfinden welcher sein Weg ist ohne über Grenzen anderer zu gehen.

Konfuzius sagte „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘ auch keinem andern zu.“.

Ich wünsche euch eine liebevolle Zeit.
Liebe Grüße,
eure Kerstin

P.S.: Liebe, Energie, spirituelle Helfer oder ähnliches jemandem zu schicken mit dem Wortlaut, der für mich stimmig ist (!) „Ich sende ihm/ihr Liebe und Energie und er/sie darf es annehmen, wenn und wann er/sie es möchte. Es ist zu seiner/ihrer freien Verfügung. Ich achte seine/ihre Entscheidung.“ Wir schon gesagt, das ist für mich stimmig, aber findet ihr eure Worte.