~ Jetzt, weil keiner weiß ob es ein Morgen gibt ~

Ich weine. Ich weine seit gestern Abend. Ich weine, weil ich nicht weiß ob es ein Morgen gibt.

Es gibt so viele Sprüche … „Am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ (Oscar Wild) oder kennt ihr das Lied „… und morgen Früh, wenn Gott will wirst du wieder geweckt …“? Wenn ich dieses Lied höre, was meist zur Weihnachtszeit gespielt wird, dann muss ich oft weinen, weil ich dann an meine Oma denken muss, die (für mich) plötzlich Heiligabend 2002 starb. Aber genauso ist es doch. Wir wissen einfach nicht, ob es ein Morgen gibt und dieses Ende … dieses Ende kommt ob alles gut ist oder nicht. Das ist doch leider die Wahrheit. Ohne Frage wird sich immer alles irgendwie zum Guten wenden für uns, aber das Ende kommt, ob es dann für uns gut ist oder nicht.

Wie oft habe ich gedachte „Ich rufe an.“, „Ich werde schreiben.“. Wie oft habe ich an die Menschen gedacht, aber mich nicht bei ihnen gemeldet und ihnen nicht gesagt wie wichtig sie mir sind und wie sehr ich sie liebe. Wie schön es ist, dass es sie gibt und wie wertvoll sie sind. Und wie oft habe ich gehört „sag es nicht zu oft, damit es sich nicht abnutzt“ und dabei denke ich „Hey, man kann es nicht oft genug sagen!“.

Ich war gestern mit meiner Mutter in einem bekannten Möbelhaus. Ich habe zwar noch keine Wohnung, aber was mir alles an Möbeln fehlt, ist mir (leider) sehr bewusst. Mir platzte der Kopf und es wühlt in mir so einiges auf … es jährt sich in wenigen Wochen bald zum 3. Mal, dass ich nach Berlin gezogen bin, meine Wohnung und mein Leben – was nicht schön in Arnstadt war – aufgegeben habe, um hier in Berlin ein neues Leben zu beginnen und es ist wirklich ein neues Leben … und nun, nun wartet wieder ein neues Leben auf mich, mit einer neuen Wohnung – die hoffentlich bald kommt – und neuen Möbeln, in einem neuen Bereich Berlins. Natürlich habe ich auch Angst davor. Es wäre eine Lüge, wenn es nicht so wäre, wenn ich nicht auch traurig über den Abschied der vergangenen Zeit wäre, ein Abschied von diesem Leben. Und doch denk ich dabei an ein Morgen, aber ob es diesen Morgen gibt, weiß ich eigentlich gar nicht. Ich weiß nur, dass es diese Sekunde, diesen Moment, diesen Augenblick, diese Chance, dieses Jetzt gibt – mehr gibt es nicht.

17320_1009365669118537_3857495574842632804_nUnd ich weine noch immer und mir tut auch mein Herz gerade sehr weh. Ich bin sehr traurig über all meine ungenutzten Chancen. Chancen Menschen „Danke“ zu sagen, ihnen zu sagen wie wichtig sie mir sind, wie sehr ich sie liebe und wie sehr sie ein wichtiger Teil meines Lebens sind oder waren. Bei einigen Menschen habe ich jetzt noch die Chance, bei anderen leider nicht mehr. Und natürlich denke ich dabei auch an meine Sterblichkeit. Wie lang ich zu leben habe, weiß ich nicht. Nutze ich jeden Tag so, als wäre es mein Letzter? Leider nicht. Werde ich genug in den Menschen bewegt haben, um etwas zu hinterlassen? Werden sich die Menschen an mich erinnern? Wo genau steckt meine Angst eigentlich gerade? Ist es die Angst allein zu sein und so zu sterben? Oder ist es die Angst vergessen zu werden? Können wir eigentlich vergessen werden? Überdauern wir nicht auch noch nach unserem Tod einige Generationen? Wie groß muss unser Tun gewesen sein, um in Erinnerung zu bleiben?

Ja, ich habe gerade Angst und ich bin gerade sehr traurig. Ich vermisse gerade einige Menschen in meinem Leben und ich traure gerade. Ich traure um meine Omas und Opas, um meinen Onkel, um meine Mary Lou und um meinen Nick, um meine gegangenen Freunde/innen und um all die gegangenen Lieben in meinem Leben und um die, die ich Liebe, die aber nicht so in meinem Leben sein können wie ich es mir wünsche. Ich kann gerade nicht sagen woher meine tiefe Traurigkeit gerade rührt, sie ist da und ich nehme sie in den Arm und lasse es euch wissen. Keine Ahnung ob es gerade Sonnenstürme gibt oder die Sterne und Planeten in einer speziellen Konstellation stehen … ich weiß es nicht, es spielt für mich gerade auch keine Rolle, denn Jetzt bin ich traurig und Jetzt weine ich und es fühlt sich gut an.

Es kommen immer wieder Themen in mein Leben, die ich gern verdränge, z.B. das Thema Krebs. Auch in meiner Familie gab es Krebs und ich kenne den Gedanken von mir „irgendwann wird es mich vielleicht auch treffen.“. Ich bin in diesem Jahr viel krank und irgendwie fühle ich mich schon wieder etwa kränklich und ja, auch hier kam plötzlich der Gedanke an Krebs. Es gab eine Zeit in meinem Leben wo ich täglich unter Migräne litt und mir schon gewünscht habe, man würde einen Gehirntumor finden, einfach nur damit ich endlich weiß warum ich immer wieder diese Schmerzen habe. Aber es war psychisch und so ist auch meine dauernde Erkältung psychisch. Ich gehe gerade durch tiefe Prozesse und diese Erkältungen sind eine Reinigung und geben mir gleichzeitig die Chance mich auszuruhen, denn wenn wir krank sind, dann geben wir uns die Erlaubnis nichts zu tun, ansonsten funktionieren wir.

So schnell kann dieses Jetzt vorbei sein … und schon ist es vorbei und ein neues Jetzt ist da.

Denkt ihr auch schon an Sonntag? Ich war schon wählen. Aber ich habe ehrlich gesagt ganz schön Angst vor dem Ergebnis. Viele werden nicht wählen gehen und viele werden wohl leider rechts wählen – ist es eigentlich noch Protest oder schon Überzeugung? Und ganz viele Menschen werden wählen und sich für eine andere Partei entscheiden und darüber bin ich froh. Ich frage mich was ich dieser Angst an Liebe entgegenstellen kann, aber im Moment fällt mir nichts ein und das ist auch ok. Ich versuche einfach noch weiter zu hoffen und die Menschen zu lieben – und ich bete. Und gleichzeitig merke ich, worauf der Fokus liegt … auf die Rechts- und Nichtwähler, denn wir sehen sie als Gefahr. Und sie sind es ja auch irgendwie, denn unser Land hat eine Geschichte …

Als ich heute Morgen wach wurde, kam Romero gurrend und schnurrend angerannt und jetzt gerade liegt meine Lucy Lou neben mir und schnurrt vor sich hin, wartend auf ihr Frühstück. Sie leben so im Jetzt – jetzt wird geschnurrt, jetzt wird geschlafen, jetzt wird gekuschelt, jetzt wird randaliert, jetzt wird gefressen, jetzt wird getobt – Jetzt… und wie oft lebe ich im Gestern oder Morgen … aber in einem Punkt bin ich definitiv im Jetzt, ich bin in meiner Flut des Schreibens und der Tränen und der Gefühle. Und ich bin dankbar für all meine Aha-Effekte und alles was ich in meinem Leben habe und was in meinem Leben ist. Und ich wünsche mir, dass ich nicht nur immer wieder diese Aha-Effekte habe, sondern sie auch umsetze. Sicherlich kennt ihr es auch … wenn ein Mensch geht, dann wird einem bewusst, was man alles nicht getan und versäumt hat und man ist traurig darüber, dass man so viele Dinge nicht getan und gesagt hat. Dann wünscht man sich die Zeit könnte man zurückdrehen und könnte Dinge tun und sagen … aber man kann es nicht mehr. Aber es gibt noch so viele andere Menschen bei denen man es tun kann – tun wir es denn bei ihnen?

Ich kenne euch alle, die ihr mir folgt und meine Worte lest, leider nicht persönlich, aber ich möchte euch sagen wie dankbar ich euch dafür bin, dass ihr mich lest, mir folgt und ich bin mir sicher, dass ihr ganz wundervolle Menschen seid und ich wünsche euch allen ein wundervolles Leben im Jetzt.

Ich werde nun meine Tränen noch etwas in den Arm nehmen, sie wiegen, schaukeln und trösten. Meine Ängste werde ich an die Hand nehmen und ihnen etwas Schönes zu essen geben oder mit ihnen spielen … Es ist alles da und es ist alles Jetzt und was Morgen ist … ist Morgen.

Ich umarme euch und bedanke mich dafür, dass ihr diese vielen Worte gelesen habt.

Alles Liebe, eure Kerstin

3 Gedanken zu “~ Jetzt, weil keiner weiß ob es ein Morgen gibt ~

  1. Leben heißt: Achtung, Respekt und Hingabe, insbesondere für sich selbst. Zu viele Ängste hemmen, und zu viele Tränen verschleiern den Blick.
    Geh, und tu Dinge die dir Spaß machen, die dich erfreuen. Nur so kann eine Seele gesunden.
    Alles Herzliche zu Dir.

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    • Hallo Seelenkarusell!
      Danke für deine Worte.
      Ich finde Tränen sehr reinigend und heilen, und genau so habe ich auch den gestrigen Tag wahrgenommen, er war heilend und reinigend.
      Wir tragen alle Ängste in uns und oft mehr als es uns lieb ist. Ich stehe aber zu all meinen Ängsten und den Prozessen die sie in mir bewirken, hervorholen und die ich gehen darf.
      Ich tu was ich liebe und was mir am Herzen liegt – ich zeige mich so wie ich bin, damit die Menschen sehen, dass das Leben auch bei anderen nicht nur ein Honigschlecken ist. Und in erster Linie bin ich als Tierkommunikatorin und Schamanin unterwegs und das liebe ich von ganzem Herzen. Ich tu also was ich liebe und was mir Spaß macht. Jeden Tag auf ein Neues. 🙂
      Alles Liebe, Kerstin

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