~ über Liebe, Beziehung und Tod ~

20170126_194451 bearb Logo kleinerIch war nun einige Zeit sehr still. Ich habe nur wenig geschrieben und mit euch geteilt. Einige von euch haben sicherlich mitbekommen, dass ich am 10.Februar meinen geliebten Onkel verloren habe. Er war für mich ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben. Euch das zu schreiben fällt mir schwer und die Tränen fließen.

Zu seiner Beerdigung war ich nicht in der Lage zu gehen. Aber an diesem Tag habe ich besonders viele Tränen vergossen und geweint. Er war ein sehr besonderer Mann und meine Tante ist eine ganz besondere Frau. Es sind Menschen, die jeder kennen sollte. Wie besonders sie sind, zeigt das über 250 Menschen Abschied von ihm genommen haben. Sie passten alle gar nicht in die Kapelle. Ich finde diese Vorstellung wunderschön und heilsam, denn er wurde so sehr geliebt, von so vielen Menschen und so viele Menschen hatten die Ehre ihn zu kennen und in jedem einzelnen lebt er weiter. Vor einiger Zeit sprach ich mit einem verstorbenen Tier und es sagte, dass wir Menschen beim Tod immer nur den Verlust sehen und nicht, dass wir eigentlich etwas bekommen. Denn diese Seele ist nun immer bei uns. Und es ist wahr, auch ich habe nur den Verlust gesehen.

Als ich nun vor wenigen Wochen meine Tante besuchte, war es sehr schwer für mich. Ich saß im Wohnzimmer und immer wieder schaute ich zur Tür und ich wartete nur darauf, dass er hereinkommt und uns etwas zeigen oder erzählen will. Ich war sehr traurig, aber dieses Gefühl was ich hauptsächlich hatte war „warten“. Als ich dann an seinem Grab stand, war es ebenso unwirklich wie alles andere. Der Grabstein war noch nicht graviert und auch die Bepflanzung fehlte noch. Nur ein kleiner Erdhügel zeigte das Geschehen.

Wir sprachen viel über Erinnerungen, was wir alles zusammen erlebt hatten und wie unser Leben nun ist und wie es weiter gehen wird. Meine Tante zeigte uns Fotos, von ihrer Diamantenen Hochzeit. Diese beiden wundervollen Menschen waren über 60 Jahre verheiratet und haben ihr Leben zusammen verbracht. Als wir auf dem Rückweg waren, dachte ich viel darüber nach. Kann sich einer von euch vorstellen 60 Jahre mit einem Menschen zusammen zu sein? Tag und Nacht? 7 Tage die Woche? Ich fragte mich, ob es in unseren Generationen jemals Menschen geben wird, die so lang zusammen sind. Und ich fragte mich, wie es sich anfühlen muss, diesen Menschen zu verlieren. Im ersten Moment dachte ich „Vielleicht fühlt es sich so an, wie wenn man ein Elternteil verliert.“, aber kann man das wirklich vergleichen? Ich habe es mir immer gewünscht einen Partner zu haben, mit dem ich alt werde. Ich wollte immer gern heiraten, Kinder bekommen und wirklich das Leben gemeinsam verbringen. Aber Männer kamen und gingen oder ich ging und nun bin ich seit 3 Jahren in einer Beziehung, mit den Auf und Abs die ein Leben so mit sich bringt. 3 Jahre, kein Vergleich zu 60 Jahren. Unsere Beziehung ist quasi noch ein Baby und doch ist es schon lang, denn trennen geht schnell.

20170202_183824-bearb-logo-kleinerAls ich noch in Halle lebte und am Wochenende über den Marktplatz lief, sah ich häufig alte Paare. Sie hatten sich hübsch gemacht und gingen teilweise Hand in Hand durch die Stadt. Ich habe diese Menschen immer bewundert. Sie hatten kein leichtes Leben. Krieg und Hunger haben sie erlebt und überlebt und ihre Beziehungen waren sicherlich nicht einfach, aber sie haben sich dem allen gestellt. Sie sind nicht weggegangen. Sicherlich war es damals eine andere Einstellung und manche Männer und Frauen haben mehr ausgehalten und ertragen als man sollte, aber egal wie, sie haben nicht aufgegeben. Natürlich gibt es Beziehungen, in denen Dinge geschehen sind, die unverzeihlich sind und so schlimm, dass man sich fragt, wie Mann oder Frau das nur ausgehalten haben und bei dem Partner haben bleiben können. Aber ich finde wir leben jetzt in einer Zeit, in der wir zu schnell gehen. Wir haben so hohe Anforderungen an uns und unserem Gegenüber, dass sie beinah unerfüllbar sind. Die große filmreife Liebe muss es sein, mit Schmetterlingen im Bauch, die wie Flugzeuge das Innere umwälzen. Ist ein Gehaltensein und liebevolles Miteinander nicht auch genug? Ist ein bewusstes „Ja“ zu einem Menschen nicht wichtiger als diese überwältigenden Gefühle? Liebe kann sich entwickeln, aber was ist wenn diese riesigen Gefühle weg sind, gibt es dann noch einen Blick für den Menschen oder nur für die Fehler?

Ich weiß gar nicht was ich euch sagen möchte. Vielleicht möchte ich auch nur die Gedanken teilen. Ich weiß nicht, ob sie was in euch bewegen, aber in mir bewegt sich einiges.

Ich danke euch für die Zeit, die ihr mit mir verbringt – real und virtuell. Danke, dass ihr an meinem Leben und Sein teilhabt. Dass ihr mich seht und in euch aufnehmt. Ich danke euch von Herzen.

Eure Kerstin

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