~ Verwirrung im Ich ~

Gestern Abend war ich im Kino. Ich sah den Film „Boston“. Ich bin schon seit einigen Jahren sehr vorsichtig, was und wie oft ich Nachrichten sehe. So habe ich damals zwar von dem Terroranschlag beim Boston Marathon gehört, aber mich sehr bewusst nicht weiter damit beschäftigt. Vielleicht mag der eine oder andere es als ignorant oder naiv oder illusorisch bezeichnen, aber ich weiß was ich mir zumute und antue und was besser nicht. Ebenso bewusst entschied ich mich gestern für den Film und sah ihn im Kino. Sehr schnell spürte ich, wie ich mich schützen musste. Zu viele Emotionen und Gefühle strömten auf mich ein. Sie hätten mich umgehauen, übermannt und mir vielleicht sogar für eine Zeit meinen Verstand geraubt.
Der Film war … gibt es dafür überhaupt ein Wort oder Wörter? Erschreckend? Verstörend? Tief berührend? Ergreifend? … ich finde keine Worte die meine Empfindungen beschreiben, denn es waren sehr viele verschiedene Empfindungen und Gedanken die für mich diesen Film ausmachen.

Ich kann nur meine Bewunderung und meinen größten Respekt den dort anwesenden Polizisten, Sanitätern und Menschen entgegenbringen. Zu handeln obwohl der eigene Instinkt „schütz dich!“ „bring dich in Sicherheit!“ „lauf weg!“ schreit und bei all den anderen Menschen zu bleiben  … ich ziehe den Hut vor diesen Menschen. Ich sitze hier und schüttel den Kopf und bin sprachlos. Welch Kraft haben diese Menschen in sich. Das ist nicht pures Pflichtbewusstsein seinen Job zu machen, da ist mehr in ihnen. Die Aufarbeitung der dort erlebten Traumata bedarf dann so viel Zeit und ebenso viel Mut. Ich kann nur aus dem Herzen her sagen, dass diese Menschen wahre Drachenkraft in sich tragen. Und ich spreche nicht von den Schauspielern dieses Films, nein, ich spreche von den wahren Menschen. All den Menschen die bei den Anschlägen und Kriegen sind und ihrem Mitmenschen helfen und für sie da sind, ganz ohne Waffen, sondern mit Herz und helfenden Händen.
Und dann muss ich an die Menschen denken, die diese Bomben bauen und allgemein Anschläge ausführen. Ich hasse sie nicht. Ich verurteile sie nicht. Nein, es sind auch keine gescheiterten Existenzen. Es sind ebenso verwirrte Menschen wie der Großteil von uns. Oh ja, der Großteil von uns ist verwirrt, denn wir folgen einem Glauben, den wir von irgendwoher haben. Und so haben auch diese Menschen einen Glauben. Aber noch viel mehr frage ich mich was es für Menschen sind, die dieses Glauben in sich gefunden haben und diesen verbreiten. Welch Ausstrahlung müssen sie haben um so viele Menschen in ihrem Bann zu ziehen? Und dann schau ich mich um. Haben wir nicht auch solche Menschen in unserem Leben? Kleben wir nicht auch an ihren Lippen? Wie unverwirrt sind diese Menschen/Lehrer? Und dann frage ich mich wie unverwirrt oder verwirrt ich bin und wie mein unverwirrter Anteil aussieht, denkt und handelt. Wo begann also unsere Verwirrung und was ist der Glaube aus uns heraus ohne jeglichen Einfluss? Was und wer sind wir tief in unserem Inneren? Wie kann ich also einen Menschen verurteilen oder gar verfluchen, der seinem Glauben folgt? Oh nein, ich entschuldige nicht die Morde und Verletzten. Weder die bei jedem aktuellen Anschlag noch die ganzen Toten bei den Hexenverbrennungen oder den Kreuzzügen oder jedem anderen Krieg. Aber ich möchte dahintdsc_0538-bearb-sw-1-logo-kleiner-verwirrunger schauen und vor allem möchte und werde ich hinter und in mich schauen. Was ist mein unverwirrter Anteil? Wer bin ICH? Wer sind meine Verwirrer im Hier und Jetzt? Was kann ich tun um in die Klarheit zu kommen? Noch habe ich keine Antworten auf diese Fragen, aber ich werde dafür arbeiten und mit wachem Auge und Herzen beobachten, handeln und fühlen.

Es gibt jetzt sicherlich Menschen die sagen „Wovon redet die bitte?“ „Wer soll mich denn ´verwirrt´haben?“ „Ich tu nur das was ich will!“ … und doch möchte ich sagen, dass fast jeder eine Verwirrung in sich trägt. Aus Familie, Schule, Beruf, Freundeskreisen und ja, selbst wenn wir Musik hören lassen wir uns verwirren. Wie schön sind die Worte in der Musik so oft. Wie oft denken wir „ja, so ist es“ „das wäre schön“? Oder nehmen wir die vielen Weisheiten und Sprüche, die wir immer wieder lesen. Sie alle haben ja eine Botschaft, eine Information, eine Energie und die nehmen wir in uns auf. Dadurch verändern wir unsere innere Struktur. Das kann ganz toll sein und man kann sich super wohl damit fühlen und vielleicht auch wirklich glücklich leben, aber für mich beantwortet es nicht die Frage „Was ist mein unverwirrter Anteil?“. Ich habe wirklich keine Vorstellung davon, was ich alleinig aus mir heraus bin. Hast du es? Ich habe mich dazu entschieden, mich nun auf dem Weg dorthin zu machen und herauszufinden was und wer ich im Innersten bin, wie meine Verwirrung aussieht, wie meine Unverwirrtheit aussieht und wer meine Verwirrer sind. Ich werde es euch wissen lassen.

Herzensgrüße, eure Kerstin

~ © Kerstin Kochler

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