~ Drachenreise zur 12. Rauhnacht ~

20161210_182854_001-bearb-logo-kleinerIch konnte lange nichts Genaues wahrnehmen. Es war bunt. Viele Lichter und Farben leuchteten. Wie ein Lichttunnel. Ich flog auf meinem Phönix schneller und schneller, dabei flogen die Lichter und Farben nur so an mir vorbei. Immer wieder fragte ich „Wohin darf mich die heutige Drachenreise führen?“. Nichts bewegte oder änderte sich, die Farben zogen weiter rasend schnell an mir vorbei. Irgendwann spürte ich, dass es die falsche Frage war und dann wusste ich es „Darf ich heute ein Drachen sein?“ und wie auf Kommando änderte sich alles. Ich verwandelte mich in einen Drachen. Ich konnte sehen wie mir die Schuppen wuchsen, wie die Flügel sich bildeten und wie sich mein Gesicht veränderte und mir ein langer Drachenschwanz wuchs. Wow, was für eine Verwandlung.
Ich flog über grüne Berge und Hügel, Flüsse und Seen, Wälder und Täler. Wahnsinn – was für ein Gefühl zu fliegen. Ich stürzte mich in einen See und tauchte ganz tief hinab, ich sprang wieder hinaus und flog durch Wolken, die ganz zart meine Schuppen berührten. Ich flog mitten in einen Vulkan und tauchte tief in die Magma ein, um dann aus der Erde herauszubrechen und das gehärtete Gestein abzuschütteln … Ich flog über Schottland, Irland, Australien, Tokio, Peru, Kuba, Grand Canyon, Island, Neuseeland und und und. Ich sah so viel und fühlte all die Magie. Alte Magie, die noch immer da war, Menschen die so groß waren, dass sie Energien verändert hatten. Ich spürte die Menschen, die Drachen schon vor Jahrtausenden verehrten und andere die sie gejagt hatten. Es war eine Weltreise und eine Reise durch die Zeiten und Welten. So viel war, so viel hat und wurde verändert und noch so viel ist. Die Magie ganz bestimmter Orte ist noch immer mehr als präsent.
Zum Schluss durfte ich das unglaubliche Gefühl bekommen wie es ist mit anderen Drachen zu fliegen.

Diese, meine letzte Drachenreise zu den Rauhnächten, war nicht nur ganz besonders, sondern besonders tief und berührend. Mein Kater Romero war sehr schnell bei mir, denn … ja, ein Drache zu sein ist toll. Gern wäre ich ganz tief eingetaucht, aber vielleicht hätte ich dann den Rückweg nicht gefunden. Reisen sollte man nie ohne Erfahrung und selbst mit Erfahrung kann es Reisen geben, die tiefer und tiefer gehen und aus denen man nur schwer wieder zurückkommt.

Ich durfte heute ein Drache sein. Ein Wunsch, von dem ich nichts wusste, ging heute in Erfüllung.

Ich kann euch nicht all das beschreiben, was ich in dieser Reise gesehen habe, denn es ging so unglaublich schnell und es war so intensiv. Euch alle Plätze und Orte zu beschreiben würde eine Ewigkeit dauern und doch würde ich nie alles in Worte fassen können. Auch fehlen die Worte um die gefühlte Magie dazustellen. Ich reiste von Ort zu Ort und auch immer wieder in den Zeiten. Die Welten verschwammen und verbanden sich. Alles war da, zeitgleich und getrennt.
All die Bilder sind in meinem Herzen verankert.

~ © Kerstin Kochler