~ Drachenreise zur 9. Rauhnacht ~

Kaum hatte ich die Augen geschlossen meldeten sich die Worte „Tiefsee“, „Netz“ und „Drachen“. 20161210_182854_001-bearb-logo-kleinerIch war also auf dem Weg in die Tiefsee, mir meiner Wasserdrachin Josephine. Dort, in der Dunkelheit der Tiefsee konnte ich einen blauen Drachen erkennen. Er lag auf dem Meeresgrund und war halb tot. Über uns konnte ich die Schiffe mit ihren Fischernetzen sehen. Und der Meeresgrund war voll von Müll und abgerissenen oder verlorenen Netzen.
Der Drache hing in einem der Netze fest. Leider teilten viele andere Seelen dieses Schicksal, nur kam meine Hilfe für sie zu spät. Ich befreite den Drachen aus dem Netz. Sein Körper hatte sich in all der Zeit bereits angepasst und so blieb ein eingeschnürter Ring an seinem Körper übrig. Wie viele Jahre mochte er wohl schon so verbracht haben. Ich fragte mich, wie er es in all den Jahren geschafft hatte zu überleben. Und eine schöne rosa Wasserdrachin zeigte sich mir. Sie war stets an seiner Seite geblieben und hatte ihn versorgt und sich um ihn gekümmert.
Der Anblick von all dem Müll und von den vielen Netzen schockierte mich. Ich hatte zwar bereits davon gehört, dass am Meeresgrund viele Netze lagen, aber es so zu sehen war ein Schock für mich. Ich wollte all diesen Müll und diese Netze beseitigen. Erst sprach ich einen Zauber, der sie alle zu Staub zerfallen lassen sollte, aber die Netze blieben bestehen, also sprach ich einen Zauber, der die Netze porös machten sollte. So würden sie zerfallen bzw. leicht zerbrechen. Und diesmal gelang es mir.
Es musste etwas Grundsätzliches passieren und so suchte ich Poseidon auf. Ich wollte mir ihm sprechen und um seine Hilfe bitten. Er begrüßte mich herzlich, schließlich hatten wir in diesem Jahr viel Kontakt gehabt und Frieden geschlossen. Ich erzählte ihm von meinem Erleben und dass wir etwas gegen den Müll tun müssten, denn so viele Leben wären dadurch bedroht. Wir sprachen eindringlich miteinander und Poseidon sagte „Ich kann mich nicht um den Müll der Menschen kümmern. Wenn ich ihren Müll beseitige, dann werden sie es nie lernen besser auf ihre Umwelt zu achten. Ich verliere Seelen und glaub mir, dass schmerzt mich sehr, aber ihren Müll und ihre Fehler zu beseitigen würde uns nicht helfen.“. Und ich konnte ihn so gut verstehen. Sicherlich hätte er ein paar Helfer rausschicken können, um die Seelen aus den Netzen zu befreien, aber das wäre nicht genug gewesen. Dennoch bat ich ihn es sich noch einmal zu überlegen, um all der gefährdeten Seelen willen und um seine Töchter und Söhne. Er sagte mir, dass es noch vor hunderten von Jahren nicht so schlimm war und es explosionsartig sich verschlimmerte und ich glaube ihm. Es ist alles verpackt, oft doppelt und dreifach. Er sagte „Wenn sich wenigstens der Müll auflösen würde, aber er bleibt und bleibt und gräbt sich ein.“.
Ich hoffe darauf, dass es eines Tages Verpackungen gibt, die sich binnen eines Jahres vollständig zersetzen. Ich glaube, dass das möglich ist. Vielleicht aus Maisstärke, wobei der Mais auch erst angebaut werden muss … Kreislauf. Ich sah mich dann mit meinen Stoffbeuteln einkaufen und selber anbauen und ernten. Wir alle werden unser Leben neu strukturieren und orientieren müssen und so lang beten, bis sich die Lösung zeigt. Tief in meinem Inneren bin ich überzeugt, dass die Wissenschaft sehr viel mehr kann und hat, als wir nutzen dürfen.
Und mit diesem Gefühl der Veränderung, kehrte ich aus der Reise zurück.

~ © Kerstin Kochler