~ Drachenreise zur 8. Rauhnacht ~

Es ist dunkel. Es ist Nacht. Ich sehe das Feuer in der Höhle und spüre meine beiden Feuerdrachen. Es ist schön mal wieder bei ihnen zu sein.
20161210_182854_001-bearb-logo-kleinerIch schaue aus der Höhle in die Nacht über meine Anderswelt, in der so viele meiner wundervollen Krafttiere, Geisthelfer und Geistführer leben. Als plötzlich eine schwarze, grün leuchtende Krallenhand in meine Anderswelt greift und ein rotglühender Greif sich in meine Höhle stürzt. Mein Feuerdrache ergreift ihn und drückt ihn ins Feuer. Ich schaffe es mit meiner Magie die Krallenhand wieder aus meiner Welt zu drücken, bevor sie etwas greifen oder zerstören kann. Nun sehe ich, dass eine Teil meiner Anderswelt auf einmal Grenzen hat. Sie schimmern wie Seifenblasen und sind durchlässig. Meine Anderswelt ist erkennbar, von außen sichtbar. Ich verwische mit meinen Händen auf magische Weise die Grenzen, hebe sie auf und lege ein Tuch der Unsichtbarkeit über meine Anderswelt. Für uns ist alles sichtbar, aber von außen ist sie nun nicht mehr zu erkennen.
Der Greif ist im Feuer gestorben. Ich frage meine Drachen was nun mit ihm geschehen soll. Ich frage, weil ich nicht weiß, ob sie ihn fressen wollen, aber das tun sie nicht. Sie erklären mir, dass man Böses nicht zu sich nehmen soll und auch nicht hier begräbt. Mit einer einfachen Handbewegung veranlasse ich die Auflösung des Greifs. Er löst sich in glitzernden goldenen Staub auf, den ich über alle Grenzen und Welten schicke. Noch einmal ist erkennbar, wo meine Anderswelt liegt, aber ich schaffe es sie zu schützen. Danach ist alles wieder ruhig.
Ich sehe meine beiden Feuerdrachen in der Höhle. Dargo sitzt neben dem Feuer und genießt das Zusammensein und mein noch namenloser anderer Feuerdrache … seine Schuppen haben züngelnde Flammen und er liebt es mitten im Feuer zu liegen. Dort rollt er sich ein und genießt. Ich setze mich zu Dargo und blicke hinaus. Die Sterne funkeln und mir wird klar, dass ich noch nie bei Nacht hier war. Aber auch der Wald und die Wiesen leuchten mystisch. Das sind all die dort lebenden Wesen. Ihr Sein und ihre Liebe lässt sie leuchten. Ein so schöner und heilsamer Anblick.
Ich spreche mit Dargo…
ich: „Du warst immer da, auch dann als ich dich noch nicht sehen konnte.“
er: „Ja, das alles gab es schon. Sie alle waren schon da. Jeder von uns. Und es gibt noch so viel mehr, was du jetzt noch nicht siehst.“
ich: „Wirklich? Weißt du, das alles ist schon so ein Schatz für mich. So groß und schön und heilsam. Es ist für mich unvorstellbar, dass ich schon so groß sein soll und noch viel unvorstellbarer, dass ich noch viel größer sein soll. Ich kann doch jetzt noch nicht einmal mehr alles überblicken. So ein Schatz.“
Und dann kann ich all meine Drachen sehen, die an Orten leben, wo ich noch nicht so häufig war. Ich weiß über ihre Existenz, aber sie kamen so schnell hintereinander und sind noch so „frisch“ bei mir, dass ich sie gar nicht wirklich kenne. Und ich seh all meine geliebten Krafttiere und auch mein two-spirit-people-Spirit zeigt sich. Oh ja, ihn möchte ich auch noch viel mehr kennenlernen. Ich weiß über diesen Schatz in mir und über die Wandlung und Heilung und auf das „noch mehr“ freue ich mich auch.
Mit einem tiefen inneren Frieden konnte ich die realen Berührungen meines Katers Romero folgen und sein Kuschelbedürfnis erfüllen – zurück ins Hier und Jetzt.
Ich bin tief Dankbar.

~ © Kerstin Kochler