~ Drachenreise zur 2. Rauhnacht ~

Ich stand auf einem Berg. Auf dem Berg gegenüber war ein goldgelber dreiköpfiger Drache, welcher Feuer spie und alles verbrannte und zerstörte. Ich sprach ihn an. Ein Kopf hörte auf Feuer zu speien, drehte sich zu mir und sah mich an, kurz davor mich zu verbrennen. Ich fragte ihn warum er alles zerstörte und verbrannte und er meinte, er müsse dies tun, damit wir Menschen nicht alles töten. Ich bat ihn mich anzuhören und er gab mir einen Moment und sah mich mit allen drei Köpfen aufmerksam an. Ich zeigte ihm, dass ER doch gerade alles töten und zerstören würde – all die brennenden Bäume und Sträucher, die verängstigten, fliehenden oder toten Tiere. Er verstand und mit seinem Verstehen drehte sich die Welt und alles war wieder heil. Ich zeigte ihm, dass er Liebe ist und das er alles ganz anders beschützen kann, denn seine Flügel würden heilen und Frieden bringen. Dann sah ich seine Ketten, kletterte zu ihm hinüber und befreite ihn davon.20161210_182854_001-bearb-logo-kleiner
Ich fragte ihn nach den Drachenvögeln und wo ich sie finden könnte. Er sagte sie seien gegen Süden geflogen. Und in der Ferne konnte ich den Berg sehen, an dem sie sich niedergelassen hatten. Sie waren dort um in Gemeinschaft zu sterben. Der Berg war nun durch ihre vielen Körper ganz schwarz. Begleitet durch meinen weißen und schwarzen Drachen flog ich auf meinem goldenen gegen Süden, dem Berg entgegen. Als ich plötzlich gegen etwas prallte. Eine Schutzkuppel umschloss den Berg und ließ mich nicht durch. Intuitiv begann ich zu singen „Wechselnde Wege, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte dich nicht. Wechselnde Wege, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte dich nicht. (…)“ und die Kuppel wurde leicht durchlässig und wie durch eine Haut, konnten wir die Kuppel „betreten“. Und wir kamen dem Berg immer näher. Ich sah die tausenden Drachenvögel und begann zu sprechen „Ich weiß ihr seid traurig, verletzt und verwirrt, aber ihr seid Liebe, fürchtet euch nicht.“. Ich sprach, den gestern geretteten Drachenvogel an. Aus Gründen, die nicht zu erklären sind, konnte ich ihn unter all den anderen tausenden Drachenvögeln ausmachen. „Ich habe dich nicht gerettet, weil du hässlich, böse oder gar schlecht bist. Ich wusste über dein Leid und dein Sein und wollte dir helfen. Und ich möchte euch noch immer helfen.“
„Ich nehme all die Flüche, Schwüre und Gelübde von euch, die euch auferlegt wurden. All die Fesseln und Verbannungen, Schmerzen und Hass, Ängste und Leiden, Sorgen und Lasten nehme ich euch ab, ihr seid Liebe, Gnade, Segen, Wunder und Wunsch. Eure Liebe wird heilen. Ihr seid Dankbarkeit, Demut, Licht und Lachen, Freude und Ehre, fliegt hinaus in die Welten und heilt alles Wesen dieser Welten.“ Und wie eine schwarze Kruste lösten sich all die Flüche etc. von ihren Körpern und schwebten in Bruchstücken gen Himmel, um als Sternenstaub zu ihnen zurück zu kehren. Ihr Flügel waren nun weit und sie strahlten ganz weiß. Es war nichts Unschönes oder Seltsames mehr an ihnen. Sie strahlten majestätisch und  jede Feder und jede Schuppe war genau richtig.
Sie flogen über die Lande und alle Wesen die sie sahen wussten von der Liebe zu dieser Welt, zum Leben, zu sich und allen anderen Wesen und Welten. Frieden kehrte ein und breitete sich aus.
Ich war noch immer am Berg und sah leider, dass ich nicht alle Drachenvögel hatte retten können. Ich saß auf meinem goldenen Drachen und mein weißer und schwarzer Drachen flogen rechts und links um den Berg und aus der Ferne kam der dreiköpfige Drache zu uns und füllte die Lücke mir gegenüber. Gemeinsam spien sie ihr goldenes Feuer der Liebe und des Segens. Die toten Körper der Drachenvögel verbrannten zu feinem silbernen Staub, der sich um den Berg legte und ihn im Sonnenlicht leuchten ließ. Ihre Seelen schwebten gen Himmel und funkeln nun dort.

~ © Kerstin Kochler