~ Depressionen ~

Diesen Text schrieb ich am 22. April 2016.
Bereits vor einigen Tagen musste ich an diesen Text denken und ich fragte mich, ob ich diese Worte wirklich veröffentlichen will. Ich hatte ihn damals im Facebook gepostet und es kamen sehr viele Reaktionen, viele sehr wundervolle Reaktionen, aber das hier, ist irgendwie noch eine andere Liga. Aber warum eigentlich nicht? Warum darf ich nicht dazu stehen, dass ich depressiv war und dass ich eine riesen Wandlung gemacht habe? Wer mich darauf reduziert, der tut es, das kann ich nicht ändern, aber ich stehe zu mir und meiner Wandlung.
Diese Worte erinnern mich daran, welche Disziplin in mir steckt und wie groß der Wille der Änderung war und ja, sie erinnern mich auch an meine Disziplin, die mir in so manch anderen Lebenslagen fehlt. Aber hey, ich bin nur ein Mensch und darf auch schwach sein und Schwächen haben. Aber ich bin mir in anderen Bereichen des Lebens durchaus meiner Kraft bewusst und auf diese stütze ich mich.

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Depression ist eine schreckliche Krankheit. So viele Menschen leiden an ihr und leiden unter ihr.

Ich selber habe sie seit ich denken kann und habe so viele schulmedizinische Behandlungen gehabt, dass ich sie gar nicht mehr alle zählen vermag.

Immer wieder habe ich zu hören bekommen „Sie müssen das anders sehen … .“ und ich habe mich wirklich bemüht, aber „meine Vergangenheit ist meine Vergangenheit, an der kann ich auch mit einer anderen Perspektive nichts ändern!“. Heute weiß ich, dass all diese Menschen mich nicht wirklich erreicht haben, denn sie konnten mir einfach eines nicht wirklich nahe bringen „Vergangenheit ist Vergangenheit, aber Heute und ist Heute und nur das zählt! Glück finde ich nicht in der Vergangenheit, sondern nur im Jetzt!“.

Menschen die depressiv sind, leben in der Vergangenheit und versuchen alles um sie zu verstehen und zu verarbeiten, aber Fakt ist nun mal, die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Wir können die Menschen die uns etwas antaten das Geschehene nicht rückgängig machen lassen und auch wenn wir von ihnen Entschuldigungen und Reue erhalten, so ändert es nichts an der Tat. Die Frage ist doch viel mehr, ob wir ihnen noch heute so viel Macht und Raum geben wollen, dass sie unser Jetzt so beeinflussen können, dass wir depressiv sind. Ich habe für mich entschieden NEIN!, es ist mein Leben und ich darf glücklich sein. Ich habe ein Recht dazu und das nehme ich mir auch! Und ich bin es. Ich bin es wirklich. Ich bin selbst dann glücklich, wenn es mir mal nicht gut geht, denn nicht der schlechte Moment oder der Rückschlag sind ausschlaggebend darüber ob ich glücklich bin oder nicht, sondern ich bin es.

20161115_131405-bearb-logo-kleinerGlück habe ich durch drei Worte gelernt …
Dankbarkeit –für all das was ich habe in meinem Lebe
Demut – gegenüber dem Leben selbst und all den wunderbaren Wesen auf dieser Welt und nicht zu Letzt durch
Liebe – mir gegenüber und allen anderen Wesen.

Mit viel Disziplin und Konzentration habe ich diese drei Worte verinnerlicht.

Einfach war der Weg nicht. Es gab viele Rückschläge und es hat sehr lange gedauert bis ich überhaupt sagen konnte „Ich liebe mich“ und auch heute noch liebe ich nicht alles an mir, aber ich bin ok mit mir. Ich darf so sein. Wenn ich so bleibe, dann ist es auch ok, aber ich werde mein Bestes geben das zu ändern was ich nicht ganz so sehr an mir liebe. Ich habe die Macht und ich bin der Herrscher über meine Gedanken und Gefühle.
Wenn mir etwas passiert, was mich runterzieht, dann geht es mir auch mal schlecht und dann darf ich auch mal wieder „unten“ sein, aber zeitgleich ist es meine Aufgabe mir vor Augen zu halten was alles in meinem Leben schön ist, was ich habe und wofür ich dankbar sein kann. Dann habe ich zu diesem „negativen Pol“ mir einen „positiven Pol“ geschaffen und damit rutsche ich nicht mehr zu tief ab. Es dauert noch immer seine Zeit bis ich wieder obenauf bin, aber ich bin ok damit. Außerdem habe ich durch den Schamanismus so viele wundervolle und magische Menschen kennen gelernt und in meinem Leben, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wenn ich nur an sie denke.

Ich weiß nicht wie oft ich mir früher gewünscht habe, ich könnte schnipsen und dann ist alles gut und heil und schick und schön. Aber mal ganz ehrlich, wenn es so gewesen wäre, dann hätt ich damit gar nicht umgehen können. Es wären Gefühle und Gedanken plötzlich da gewesen, die ich gar nicht gekannt hätte. Und andere wäre plötzlich weg gewesen.
Nein, nein, es ist schon gut so, dass es harte Arbeit ist und ganz viel Konzentration und Disziplin bedarf.

Dabei muss ich gerade an einen Mann denken. Ich war vor Jahren mal auf einem Kongress für Selbsthilfegruppen psychisch kranker Menschen. Eine tolle Erfahrung. Wie auch immer … Der Mann sprach über seine Depression und wie er das alles erlebte, wie es dazu kam und seinen Weg daraus. Er schloss seine Erzählung damit, dass er nun geheilt sei, denn er hätte das richtige Medikament und wäre gut eingestellt. Meinen Gedanken könnt ihr sicherlich erraten „Der Mann ist nicht geheilt. Medikamente heilen nicht!“. Und das ist auch noch heute meine Meinung. Es ist ok Medikamente zu nehmen, als Stütze, als Krücke, einfach um wieder etwas Fuß im Leben zu fassen, aber niemand sollte sich dem Trugbild hingeben dadurch geheilt zu sein. Denn was passiert denn ohne diese Medikamente?
Kein Medikament und auch kein Mensch kann uns heilen, das vermögen nur wir selbst. Ein Mensch kann uns lehren, leiten, begleiten und uns zur Seite stehen, er kann uns mit seiner Kraft, seinem Wissen und seiner Energie behandeln, aber vollständig heilen können wir uns nur selbst.

Ich wünsche uns allen offene Augen und vor allem offene Herzen.

~ Aho

© Kerstin Kochler