~ Mangel und Fülle oder Was Wäre Wenn? ~

Ich trage Lasten. Schwere Lasten. Viele Lasten. Säcke voll Ereignissen, Problemen, Zweifeln, Taten, Geschehnissen und mehr – aus diesem und anderen Leben – meine und von anderen.

Als ich mich fragte „Was brauche ich? Welchen Mangel habe ich? In welche Fülle möchte ich kommen?“ da spürte ich, dass mir die Leichtigkeit fehlt. Die Leichtigkeit den Haushalt zu erledigen, Leichtigkeit Berufung und Erholung zu verbinden, Leichtigkeit Kunden zu werben, Leichtigkeit Aufgaben abzugeben und Hilfe anzunehmen, Leichtigkeit in ganz vielen Bereichen meines Lebens. Egal wie sehr ich etwas liebe, aber es war und ist immer mit etwas Schwere und Schwerfälligkeit verbunden. Da ist nicht der Gedanke „Ach, ich mach mal schnell noch den Abwasch, der ist in 10min fertig.“ sondern da ist der Gedanke „Ach ne, jetzt noch Abwaschen.“. Also schon allein meine Einstellung und meine Gedanken zu einem Thema erschweren meine Taten.

Und so ging ich mit genau diesem Thema zu dem Seminar „von dem Mangel in die Fülle“ von Claudia Rienäcker. Aber ich muss gestehen, dass es nicht mein erster Gedanke war, als ich den Titel des Seminars las. Nein, ich bin ehrlich, ich dachte als erstes an die finanzielle Fülle. Weil hey, wer wünscht sich nicht finanzielle Fülle. Wer möchte denn nicht finanziell sorglos leben? Aber ich entschied mich schnell dagegen, denn in mir ist ein Glauben da, dass die finanzielle Fülle kommen wird, wenn es soweit ist.

DSC_0006 bearb LogoAlso gut, mein Thema war „Leichtigkeit“ und dafür wollte ich arbeiten.

Bevor wir mit der Arbeit begannen, fühlte jeder Teilnehmer noch einmal in sich hinein. Wie fühlten wir uns gerade? Waren wir hier richtig? Was beschäftigt uns? Womit sind wir hier her gekommen? Welches Thema ist jetzt wichtig und richtig für uns? Nehmen wir Worte war? Sehen wir Bilder? Fühlen wir etwas? – Und ich sah Bilder und fühlte so einiges. Ich konnte mich in mittelalterlichen, vollkommen zerlumpten Kleidern sehen und ich hatte sehr viele schwere Säcke auf meinen Schultern. Ich stand unter einer Brücke und ich hatte das Gefühl die ganze Last der Stadt liegt auf mir. Und ich sammelte immer mehr Säcke ein und lud sie mir auf. Ich nahm den Menschen ihre Last ab. Keine Ahnung wie ich unter all der Last noch stehen oder gehen konnte. Irgendwie hatte es etwas von einer mittelalterlichen Müllabfuhr. Ich nahm all den Müll der Menschen an mich. Nur das wieder „Abladen“ habe ich nicht gesehen. Vermutlich fand es auch nicht statt.

Dann begannen die Arbeiten. Wunderschöne Nachnährungen für einige der Anwesenden.

Um in die Leichtigkeit zu kommen sollte es für mich eine Gestaltarbeit geben. Claudia und ich setzten uns auf Kissen und ich positionierte andere Kissen für die Leichtigkeit und die Schwere im Raum. Ich hielt großen Abstand und der Anblick, der so beladenen Leichtigkeit schmerzte mich. Ich konnte Bilder meiner Vergangenheit sehen und sie machten mich sehr traurig. So oft habe ich schon an ihnen gearbeitet und ich hatte geglaubt sie genug angesehen und bearbeitet zu haben, aber dem war nicht so. Und dann sagte Claudia etwas, was ich nicht vergessen werde „ All diese Ereignisse geben deiner Seele ein Gewicht, aber das Gewicht musst du nicht tragen.“. Und das ist so wahr. Ich muss diese Ereignisse nicht wie eine Last mit mir herumtragen.

Ich sah diese Kissen an, die meine Last und Schwere darstellten und irgendwann, in dieser Traurigkeit um sie, kamen Gedanken und Fragen.

„Was wäre, wenn das alles nie geschehen wäre?“

„Wer wäre ich dann?“

„Wäre ich dann genau hier wo ich jetzt bin?“

„Wäre ich dann der Mensch der ich jetzt bin?“

„Hätte ich dann auch diese Gaben?“

„Wo wäre ich, wenn das alles nie geschehen wäre?“

„Wäre ich vielleicht viel schneller ans Ziel gekommen?“

„Hätte ich überhaupt das selbe Ziel wie jetzt?“

Und ich habe keine Antwort. Vielleicht ist in einer der vielen Parallelwelten alles anderes gelaufen als hier in meinem Leben, aber mein Leben ist so verlaufen und mir ist genau das passiert, was mir passiert ist. Ich weiß nicht wozu es gut ist oder ob es überhaupt für etwas gut ist, aber es ist – ES IST. Vielleicht kann ich dadurch anderen Menschen helfen, sie besser verstehen und auf ihren Wegen begleiten, aber vielleicht erschwert es auch alles. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es so ist.

Ich bin hier und nur das zählt.

Ich tue das was ich liebe und nur das zählt.

Ich tue mein Bestes und nur das zählt.

Ich liebe und nur das zählt.

Ich lebe und nur das zählt.

Was soll ich also an den Lasten festhalten? Die Ereignisse sind da und sie werden bleiben, daher werde ich gut für sie und mich sorgen. Und meine Leichtigkeit werde ich gut pflegen, denn sie ist mit eine Grundlage für ein gutes Leben.

Nach und nach konnte ich in der Gestaltarbeit meine Leichtigkeit freilegen und ich setzte mich auf dieses Leichtigkeits-Kissen. Ein Last-Kissen konnte ich nicht abgeben und ich nahm es in meinen Rücken. Es zeigten sich mir einen Teil meiner Ahnen. Ahnen die es selber nicht leicht hatten, die viele Probleme, Sorgen und Ängste mit sich trugen und nie losgelassen haben. Sie waren sehr traurig und entschuldigten sich bei mir, dass sie mir ihre Last weitergegeben hatten. Ich konnte ihnen nicht böse sein, denn sie traf keine Schuld. Sie wussten es nicht besser. Mit diesem Gespräch konnte ich sie gehen lassen und sie konnten sich wandeln. Danach war es einfach nur noch schön sie in meinem Rücken zu spüren.

Ich möchte meine Ahnen nicht missen. Sie sind wundervoll und voll Wissen und Liebe. Sie haben gelebt zu Zeiten die anders waren. Sie schenken mir die Erinnerungen an Leben, die ich nicht mehr habe. Sie sind ein Geschenk und ich bin dankbar dafür. Dankbarkeit für sie und mich.

Diese Gestaltarbeit wirkt noch immer nach. Nein, die Leichtigkeit ist nicht einfach so über mich gekommen, aber es ist vollkommen in Ordnung – ich bin vollkommen in Ordnung. Meine Gedanken und Gefühle haben nun Worte und Bilder bekommen und nun können sie sich wandeln – aus der Schwere in die Leichtigkeit – langsam, Schritt für Schritt.

~ (c ) Kerstin Kochler