~ Drachenleben ~

Über alle Bäche, Flüsse, Seen, Wälder, Wiesen und Berge wache ich. Mein Zuhause ist eine Höhle im höchsten Berg meines Landes. Ich kann alles überblicken und über alles wachen, und niemand dringt ohne mein Wollen zu mir durch.

Ich bin Dargo, der Wächter und Hüter von Selania.

Niemand gelangt in meine Höhle, nur sie, meine Drachenreiterin „Stern der Lichtelfen“. Wir sitzen oft am Feuer und reden. Ich habe viele Jahre ihre kleinste Seele bewacht. So lang bis Stern der Lichtelfen zu mir kam und dann noch viele Jahre mehr, bis sie sich vereinen konnten.

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Ich liebe Hibisken. Es gibt für mich keine schönere Blüte, als dieses strahlende rot einer Hibiskusblüte. Meine Drachenreiterin schenkt mir immer wieder eine und mein Herz erfüllt sich mit Liebe bei ihrem Anblick. In einem Medaillon um ihren Hals trägt Stern der Lichtelfen immer ein Foto einer roten Hibiskusblüte, so bin ich auch außerhalb Selanias bei ihr. Dies ehrt mich.

Nun lebe ich seit einiger Zeit nicht mehr allein. In mein Land kam Josephine, eine Wasserdrachin. Blau, leuchtend, verspielt und so voller Liebe und Freundlichkeit, dass niemand sich vor ihr ängstigt. Ganz anders als vor mir. Ich leuchte in allen Rottönen der Welt, bin baumgroß und speie meterweit Feuer. Oh nein, Josephine ist nicht klein, ganz und gar nicht. Sie ist fast ebenso groß wie ich und mit ihrem blauen Feuer und heißem Dampf, kann sie ebenso zerstörerisch wüten wie ich. Aber bei ihrem Anblick schmilzt jedes Herz dahin und ein Lächeln breitet sich auf den Gesichtern aus.

 Meine Drachenreiterin ist auch ihre und oft schwimmen sie zusammen im See. Es ist schön nicht mehr allein zu sein. Mit ihr kann ich über die Wälder fliegen, denn anders als alle denken hat ein Wasserdrache durchaus Flügel und auch ganz normale Beine, keine Flossen. Wasserdrachen lieben einfach nur das Wasser noch viele als alles andere. Sie verbringen den Großteil des Tages im Wasser und ihre Höhle liegt genau am See hinter einem Wasserfall. Ich liebe es auch zu schwimmen, es ist wie fliegen im Wasser, aber in der Luft, hoch oben über allen Wolken, fühle ich mich am Wohlsten.

 Ich bin mächtig, angsteinflößend und sehr kraftvoll. Wenn ich will verbrenne ich alles und jeden, aber ich habe auch eine andere Seite. Ich bin zärtlich, einfühlsam, liebevoll und sehr kuschelbedürftig. So sehr ich es genieße zu fliegen und Feuer zu speien, so sehr genieße ich es mit meiner Drachenreiterin zu kuscheln. Wenn sie sich unter meinen Flügel legt, ihren Kopf nah an meinem Hals und ich ihre Zuneigung und Liebe spüre, beginne ich zu vibrieren. Es klingt ähnlich dem Schnurren einer Katze. Es gibt keinen größeren Frieden.

 Meine Drachenreiterin Stern der Lichtelfen wandelt zwischen den Welten und ich mit ihr. Durch ihre Augen sehe ich ihre Welt und schütze sie vor den Gefahren die dort lauern. Ich leihe ihr meine Flügel, wenn sie Schutz braucht und ich leihe ihr meine Stimme wenn sie schreien muss. Sie wird zu mir und ich zu ihr – wir sind eins.

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Dargo ist ein sehr stattlicher Feuerdrache, mit großer Macht und Kraft. Ich verehre ihn und er ehrt mich.

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 Ich bin Josephine und lebe in Selania.

 Vor einigen Wochen kam ich zu meiner Drachenreiterin Stern der Lichtelfen. Ich lebe schon lange in Selania, aber war bis dahin noch ohne Reiter und nicht sichtbar.

 Ich liebe das Wasser und den Regen. Wassertropfen zu fangen ist ein riesen Spaß und Regenbögen entstehen zu lassen ist wie zaubern.

 Ich kam zu meiner Drachenreiterin um ihr das Wasser näher zu bringen. Sie mag es nicht, aber ich zeige ihr wie schön Wasser ist. Sie schwimmt mit mir im See und ich zeige ihr die Welt jenseits der Wasseroberfläche. Die Höhlen, Riffe, Pflanzen, Fische und Meerjungfrauen. Und manchmal begleitet uns auch Dargo.

 Meine Drachenreiterin zeigt mir auch ihre Welt. Dann blicke ich durch ihre Augen und freue mich wenn ich den Regen sehe, höre und spüre. Ich bin sie und sie ist ich – wir sind eins. Die Menschen schützen sich vor dem Regen, dabei ist er pures Leben und pure Liebe. Wenn ich das Wasser auf meiner Haut spüre, dann beginne ich zu vibrieren und muss lauthals freudig brüllen. Dann ist Frieden in mir.

~ © Kerstin Kochler